Bitte keine homöopathische Behandlung bei ADS / ADHS!

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Die Aufmerksamkeitsdefizitstörung ohne und mit Hyperaktivitätsstörung (ADS/ADHS) gehört zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Die Angaben zur Häufigkeit schwanken zwischen 3 % und 10 %. In Deutschland geht man von 5 % aus. Nicht jedes Kind zeigt alle Symptome und nicht alle Symptome sind bei jedem betroffenen Kind maximal ausgeprägt.

Drei Kernbereiche sind dabei betroffen:

  1. Die Kinder haben generell Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit. Es fällt ihnen schwer zuzuhören, sie können sich schlecht organisieren und haben beispielsweise auch Probleme, Spielen zu folgen.
  2. Die Kinder sind oft (nicht immer) motorisch unruhig (“hyperaktiv”), was zur Diagnose ADHS führt. Sie wirken “zappelig”, bleiben nicht sitzen oder sind ungeschickt. Sie haben infolgedessen ein höheres Risiko sich zu verletzen als Gleichaltrige ohne eine solche Störung.
  3. Ferner liegt bei Kindern mit ADS/ADHS eine mangelnde Impulskontrolle vor. Sie platzen schnell mit Antworten heraus, können schlecht abwarten, bis sie an der Reihe sind.

Diese Symptomatik führt bei Kindern mit ADS, aber insbesondere mit ADHS  fast regelhaft zu Problemen bei der Interaktion mit ihrer Umwelt. Eltern und Lehrer sind in der Regel diejenigen, die eine diagnostische Abklärung verlangen. Die Kinder selbst leiden am meisten daran, dass sie bei Gleichaltrigen anecken und als provokant erlebt werden. Je nach Schwere der Ausprägung der Symptomatik kann durch eine ADS/ADHS sowohl bei Betroffenen als auch bei der Umwelt ein erheblicher Leidensdruck entstehen.

Reguläre Behandlung von ADS/ADHS

Wenn eine Medikation einer ADS und insbesondere einer ADHS aufgrund der Schwere des Krankheitsbildes notwendig ist, sollte diese immer durch eine Psychotherapie ergänzt werden. Außerdem ist es wichtig, die Umwelt (Eltern, Lehrer) im Umgang mit den Besonderheiten der betroffenen Kinder zu schulen. Sollte eine Psychotherapie nicht verfügbar oder aus anderen Gründen nicht möglich sein, ist auch eine reine medikamentöse Therapie vertretbar, zumindest übergangsweise. Längst nicht alle PatientInnen erhalten eine medikamentöse Therapie, das muss deutlich hervorgehoben werden angesichts einer öffentlichen Meinung, die vom Zerrbild einer durchgängig üblichen (alleinigen) Medikation bei ADS/ADHS geprägt ist. Zudem ist die Verschreibung an eine fachärztliche Diagnose gebunden.

Als Mittel der ersten Wahl gelten dabei heute Stimulanzien, am häufigsten wird Methylphenidat gegeben, besser unter dem Namen “Ritalin” bekannt. Nach dem Stand der derzeitigen Erkenntnisse wird angenommen, dass Auslöser der Symptomaik eine Verlangsamung bestimmter Teile des Hirnstoffwechsels ist, die für Domaninausschüttung und -transport zuständig sind. Eine Stimulation hat daher den Sinn, den Domapinstoffwechsel im Hirn anzuregen.

Dies wird vielfach missverstanden oder ist nicht bekannt. Daher kommt es zu der verbreiteten Annahme, eine Stimulanziengabe sei doch sinnlos bei ohnehin bestehender Hyperaktivität oder aber es handele sich um ein Mittel zur “Ruhigstellung”. Beides trifft nicht zu. Zudem haben Stimulanzien generell  einen schlechten Ruf, obwohl eine der beliebtesten Drogen, Koffein, ebenfalls unter diese Klasse fällt. Sind Sorgen wegen Nebenwirkungen natürlich durchaus berechtigt, gibt es jedoch viele unhaltbare Mythen zu Ritalin, die vor allem in Internetforen kursieren und leider erheblich zur Verunsicherung beitragen. Sinnvolle Informationen zu diesen Mythen und ihren Hintergründen findet man allerdings auch, beispielweise hier (Link).

Scheinalternativen

Bei alledem ist es verständlich, dass viele Eltern nach einer Alternative suchen, um ihrem Kind die Einnahme eines Psychopharmakons zu ersparen. Auch auf diesem Feld findet man recht umfangreich alternative Angebote zu homöopathischen Mitteln und Methoden. Doch leider sind diese nicht immer so sinnvoll, wie sie angepriesen werden. Wir stellen hier einige Probleme vor:

Homöopathie #1: Alternative Zappelin? Ein Werbekunststück!

Vergleichsweise bekannt ist die “homöopathische Alternative” mit dem Komplexmittel “Zappelin” (das entgegen der Hahnemannschen Anweisung nicht aus einem, sondern aus mehreren Substanzen hergestellt wird). Dieses Präparat darf zwar (wie alle “zugelassenen” Homöopathika) mit Indikationsangaben beworben werden, aber mit nicht mehr als dem Hinweis in der Packungsbeilage: “Die Anwendungsgebiete leiten sich von den homöopathischen Arzneimittelbildern der Einzelbestandteile ab. Dazu gehören: Nervöse Störungen mit Unruhe.” Die Zielgruppe sind jedoch eindeutig Kinder, die unangepasste Verhaltensweisen zeigen – in diesem Sinne ist bereits der Produktname eine “Indikationsangabe”.

In der Werbung für Zappelin muss vom Hersteller das “Kunststück” vollbracht werden, die richtige Zielgruppe anzusprechen, ohne den Eindruck zu erwecken, als würde Zappelin zur Behandlung von ADHS direkt angeboten. So wurde Zappelin ursprünglich zur Behandlung von „Unruhe, übermäßigem Bewegungsdrang, gesteigerter Impulsivität und Konzentrationsstörungen“ beworben. Nicht jedoch, ohne gleichzeitig zu erwähnen, dass nicht bei jedem Kind, welches diese Symptome zeigt, eine ADHS vorliegen müsse:

„Ganz besonders in der nasskalten Jahreszeit, wenn Kinder ihre überschießende Energie nicht durch Toben im Freien abbauen können, stellt das unruhige Verhalten von Zappelphilippen das Familienleben auf die Probe […]. Erziehungsfehler der Eltern sind selten der Grund für diese Verhaltensauffälligkeiten.
Auch wenn die Symptome
• Unruhe
• übermäßiger Bewegungsdrang
• gesteigerte Impulsivität
• und Konzentrationsstörungen
bei Aufmerksamkeitsdefizits-(Hyperaktivitäts)-Syndrom (AD(H)S) auftreten, leiden nur wenige Zappelphilippe tatsächlich an dieser Erkrankung. Oft sind die Symptome nur teilweise vorhanden oder weniger stark ausgeprägt, so dass verschreibungspflichtige Medikamente nicht oder nur selten erforderlich sind – Hilfe und Unterstützung für Zappelphilipp und seine Familie sind aber trotzdem notwendig und möglich.”

Hilfe und Unterstützung – das ist im Grundsatz natürlich richtig, wirft jedoch auch die Frage auf, warum ein Kind, welches keine Erkrankung hat, ein Medikament benötigt? Wir begegnen hier einmal mehr dem Effekt, dass die Gabe von Homöopathika für “alles und jedes” eine eventuell lebenslang wirksame Konditionierung auf die Einnahme von Medikamenten bedingt. Dies widerspricht zudem klar der homöopathischen Methode, die sich als Arzneimittellehre versteht, die (nur) im Falle einer bestehenden Erkrankung interveniert; die Gabe eines Mittels an einen Gesunden würde nach der homöopathischen Lehre Krankheitssymptome auslösen. Aus diesem Grunde ist die Verwendung von Homöopathika zur Vorbeugung, „Hilfe“ und „Unterstützung“ selbst nach ihren eigenen Grundannahmen ungeeignet.

Nachdem der Hersteller DHU mit “Mama Natura” eine neue Dachmarke erzeugt hatte, wurde die Indikation für Zappelin vorsichtiger formuliert, eine Verhaltensbeschreibung fehlt jetzt:

„Zappelin® ist ein homöopathisches Arzneimittel zur Behandlung von nervösen Störungen mit Unruhe. Die homöopathische Zusammensetzung aus vier aufeinander abgestimmten Inhaltsstoffen reguliert auf sanfte und natürliche Weise den kindlichen Organismus und unterstützt so die Wiederherstellung des inneren Gleichgewichts bei Überaktivität, Impulsivität, Unaufmerksamkeit und Schlafstörungen.”

Interessant an der Dachmarke “Mama Natura” ist die Tatsache, dass das Marketing für die Medikamente der Serie explizit auf die Nutzung bei Kindern ausgelegt ist. In der Regel für “Symptome” die den Alltag vieler Eltern begleiten: Blähungen, Zähne bekommen, Schlafprobleme und ähnliches. Die Frage sei erlaubt, was wir davon halten würden, wenn Schlafmittel aus dem Repertoire der pharmazeutischen Medizin aktiv für den Gebrauch bei Säuglingen und Kleinkindern beworben würden. So etwas lässt man nur Unternehmen durchgehen, die “sanfte” Medizin herstellen. Dabei überschreiten diese wohlweislich nie die Grenze, nach der laut Heilmittelwerbegesetz die direkte Ausrichtung von Medikamentenwerbung auf Kinder unter 14 Jahren verboten und mit Bußgeld bewehrt ist (mehr zu diesem Thema hier).

Eine spezifische Wirkung auf die ADS/ADHS-Symptomatik durch ein solches homöopathisches Komplexmittel (das in mehrfacher Hinsicht der homöopathischen Lehre widerspricht) ist aus den Gründen, die auf dieser Webseite vielfach dargelegt sind, nicht zu erwarten. Mehr zur Nachweislage hier.

Homöopathie #2: “Klassische” Homöopathie und Symptomverdrehung

Einzelne Homöopathen empfehlen die Behandlung mit klassischer Homöopathie. Die “klassische” Homöopathie beschränkt sich auf die ursprünglichen Ansätze der Hahnemannschen Lehre. Sie lehnt Komplexmittel ab und verabreicht  immer nur ein einzelnes Homöopathikum  zur selben Zeit. Außerdem ist Kern der klassischen Homöopathie die “individuelle” Verordnung von homöopathischen Mitteln abhängig von der individuellen Symptomatik, die in einer homöopathischen Anamnese erhoben wird. Der – von Fall zu Fall unterschiedliche – Wirkstoff wird dann durch Repertorisierung, das Suchen nach dem auf die Gesamtsymptomatik “passenden” Mittel in den homöopathischen Materiae medicae, festgelegt. Sie fragen sich, wie die Anwendung eines “homöopathischen Komplexmittels” aus der Apotheke einerseits sich mit einer “individuellen Behandlung” nach den Methoden der klassischen Homöopathie durch einen homöopathischen Therapeuten andererseits sich miteinander vereinbaren lassen? Das fragen Sie zu Recht.

Auch bei diesem Behandlungsansatz verläuft ein gravierender Bruch zwischen dem Verständnis der Behandlung mit Rücksicht auf die wahrscheinliichen Ursachen, wie sie derzeit die wissenschaftlich fundierte Medizin befürwortet und der Art, wie homöopathisch-symptombezogen  vorgegangen wird.

Die wissenschaftliche Medizin geht von einem bestimmten, differenzialdiagnostisch gesicherten Krankheitsbild aus, einer Erkrankung, die sich grundsätzlich (in den Kernmerkmalen) bei allen Betroffenen gleich manifestiert. Das Krankheitsbild einer ADS/ADHS ist im wissenschaftlichen Konsens definiert und in den Diagnosemerkmalen international festgelegt (ICD-10 Index). Insofern ist auch die Therapieempfehlung der evidenzbasierten Medizin einheitlich, variabel im Großen und Ganzen nur im Hinblick auf die Stärke des Krankheitsbildes. Die klassische Homöopathie basiert dagegen gar nicht auf dem Vorhandensein einer “Krankheit”. Sie knüpft an die individuelle Einzelsymptomatik an, kommt also schon bei unterschiedlicher Gewichtung der Einzelsymptome zu einer anderen homöopathischen Mittelgabe (in der vielfach angeführten Studie Frei et al. ist in der Tat die “individuelle” Mittelgabe ein beherrschender Aspekt).

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass durch das System der homöopathischen Anamnese, das grundsätzlich keine Unterschiede bei den individuell berichteten Symptomen macht, und seien sie noch so banal – bei der  klassischen Homöopathie das Symptomenbündel nach ICD-10 stark erweitert wird. Dies muss zwangsläufig dazu führen, dass das Bild der AD(H)S vom klassischen Homöopathen sehr viel weiter gefasst wird als von der evidenzbasierten Medizin – es “verschwimmt”. Infolgedessen gibt es in der Literatur auch ein “Therapiekonzept”, das auf dieser erweiterten Definition des AD(H)S-Symptomenkomplexes beruht.

Heiner Frei, der an einigen Studien zur Behandlung von AD(H)S mit Homöopathie beteiligt war, hat ein Buch herausgebracht, in dem er ein solches “Therapiekonzept” vorstellt.

Als Hauptkritik hieran muss gelten, dass – wie schon bei der Erörterung des Komplexmittels dargelegt – die Homöopathen dazu neigen, normale Ereignisse und Lebensäußerungen zu pathologisieren – sprich, eine Behandlungsbedürftigkeit zu erkennen, wo es keine gibt. Eine zwangsläufige Folge des allein an Symptomen ausgerichteten homöopathischen Konzepts.

Die Symptome des homöopathischen Therapiekonzepts gehen weit über die relevanten Symptome einer manifesten Erkrankung hinaus. So gebe es Frühzeichen, die angeblich auf eine Prädisposition eines ADS/ADHS hinweisen sollen, zum Beispiel “vermehrte Kindsbewegungen in der Schwangerschaft”. Für das Säuglingsalter, also eine Phase, in der noch gar keine Fachdiagnose  gestellt werden kann, werden folgende Symptome genannt: “Unruhe oder Passivität, unstillbares Schreien (3-Monats-Koliken), Schreckhaftigkeit, Irritierbarkeit, Abneigung gegen Berührung, Abwehr von Körperkontakt, Schlafstörungen (verspätete Entwicklung des Zirkadianrythmus), Ernährungsschwierigkeiten (schlechtes Trinken, Verweigerung fester Nahrung)”.

Ganz im Gegensatz zu den Bemühungen der evidenzbasierten Medizin, die Merkmale gerade einer psychischen Erkrankung als Voraussetzung für Diagnose und Therapie möglichst eindeutig abzugrenzen, wären durch eine solche Ausweitung der Symptomatik aus Sicht der Homöopathen nahezu bei jedem Kind „Frühsymptome“ einer ADS/ADHS feststellbar. Dabei bleibt es aber nicht, denn es folgen dann auch für die Betroffenen ab dem Diagnosealter weitere als unspezifisch einzuordnende Symptome: “Überspringen von Entwicklungsschritten, z.B. Auslassen des Krabbelns, direkter Übergang vom Sitzen zum Stehen, verzögerte psychomotorische Entwicklung, verzögerte Sprachentwicklung, auffälliger Muskeltonus (Hypotonie oder Hypertonie)”.

Sehr typisch für die Homöopathie ist, dass man nicht auf eine definierte Krankheit reflektiert, sondern auf eine mehr oder weniger beliebige Symptomenwelt abhebt. Ein Bruch mit der eigenen Methode liegt allerdings darin, dass diese Symptome nicht etwa durch eine Arzneimittelprüfung am Gesunden festgestellt werden (was eine zentrale Grundvoraussetzung für die homöopathische Mittelfindung ist), sondern in diesem Fall auf einer rein gedanklichen Konstruktion beruhen. Hier ist also nicht nur ein grundsätzlicher Dissens mit den Definitionen der evidenzbasierten Medizin festzustellen, vielmehr besteht ein solcher Dissens auch gegenüber der Grundannahmen der homöopathischen Methode selbst – einmal mehr.

Bezeichnend ist, dass das Therapiemodell der klassischen Homöopathie demgemäß auch nicht die konsequente Anwendung der homöopathischen Arzneimittellehre favorisiert, sondern aus einer Mehrzahl therapeutischer Ansätze, die teilweise ihrerseits pseudomedizinischen Charakter haben (wie z. B. die von Jean Ayres entwickeltee “sensorische Integration”, die auch die Annahme der durch die Erkrankung verursachten “Entwicklungsschritte” kennt).

Insofern hat die homöopathische Symptombeschreibung und Mittelfindung wenig bis nichts mit der wissenschaftlichen Diagnostik und Therapiefestlegung bei ADS/ADHS zu tun. Die homöopathische Mittelwahl zieht Symptome heran, die bei der fachlich korrekten Behandlung keine oder eine eher untergeordnete Rolle spielen. Insofern unterliegt die homöopathische Therapie der ADS/ADHS dem gleichen Grundirrtum wie die Homöopathie im Allgemeinen: Sie setzt ein Symptombündel an die Stelle der Diagnose einer Erkrankung. Zudem kein durch Arzneimittelprüfung am Gesunden gefundenes, sondern ein erdachtes.

In der psychiatrischen Behandlung von Menschen wird (wie in allen empirischen Wissenschaften) dagegen versucht, die Symptome möglichst objektiv und wertfrei zu beschreiben. In der psychologischen und psychiatrischen Forschung werden viele Ressourcen darauf verwendet, herauszufinden, welche Symptome bei einer Erkrankung vorliegen (Gesamtsymptomatik, häufig verlaufsabhängig), welche sie als Erkrankung “im Kern” ausmachen (Leitsymptome) und es wird versucht, beides objektivierbar (messbar und beschreibbar) zu machen. Das ist zwar nicht so eindeutig wie in vielen Naturwissenschaften oder anderen Bereichen der Medizin; ohne diese Bemühungen wäre es aber nicht möglich, eine belastbare Ätiologie, eine Entstehungs- und Verlaufslehre psychischer Erkrankungen, zu entwickeln.

Diese Bemühungen beruhen aber eben nicht auf dem willkürlichen individuellen Erleben einzelner Menschen; es gibt im Einzelfall viel zu viele Einzelfaktoren, die die wirklich wesentlichen Faktoren überlagern. Die Symptome, die das klinische Erscheinungsbild nach herrschender Meinung prägen, basieren auf einer breiten empirischen Basis. Es liegt daher nahe, sich bei Diagnose und Behandlung auf die so gewonnenen Symptome und die gesicherten Therapieerfahrungen dazu zu konzentrieren und nicht auf eine Pseudo-Individualität, wie sie durchweg Merkmal der Homöopathie ist.

Kommt dann noch hinzu, dass die Homöopathen einzelne, wenig relevante Symptome, z. B. die Verbesserung der Handschrift, in den Vordergrund ihrer Behandlung stellen – wie sie es gern unter Berufung auf die „Hering’sche Regel“ tun (der Körper heilt von oben nach unten, von innen nach außen, von peripher zu Organ) -, stellt sich im Grunde schon die Frage nach der ethischen Rechtfertigung eines solchen Vorgehens in Anbetracht des Leidensdrucks.

Fazit zur homöopathischen Behandlung von ADS/ADHS

Wie bei alledem nicht anders zu erwarten, kann die homöopathische Behandlung von ADS/ADHS keine nachweisbare Wirkung für sich beanspruchen. Die Cochrane Collaboration urteilte 2007 aufgrund einer Metaanalyse der vorliegenden Studien über die homöopathische Behandlung von ADS/ADHS, dass Homöopathie bisher keinen Behandlungseffekt auf die ADS/ADHS-Symptomatik zeigen konnte (Coulter u. Dean 2007; nach dem Fazit in: Praxishandbuch ADHS, Kahl, Puls et.al., Thieme Verlag, S. 70).

Bitte lassen Sie also unbedingt einen qualifizierten Facharzt beurteilen, was Ihrem Kind am besten helfen kann.


Mehr zum Thema ungekennzeichnete Werbung für Homöopathika hier.

Mehr zur “Frei-Studie” hier.

Mehr mit Schwerpunkt “Zappelin” auf unserer Familienseite hier.

Mehr zu ADS/ADHS hier.

Die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zur Behandlung von ADS/ADHS finden Sie hier. Man beachte, welch vergleichsweise geringen Umfang darin die Medikation (“Pharmakologische Interventionen”)  einnimmt.


Autor: Dr. Jan Oude-Aost ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie


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