FAQ 14 – Warum müssen Homöopathen nachweisen, dass Homöopathie wirkt?

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„Wunderheilmittel gegen Krebs! Wunderheilmittel gegen Krebs! Leute, kauft mein Wunderheilmittel gegen Krebs! Soeben erfunden, Wirkmechanismus unklar, Wirknachweis nicht erbracht …“

Zum Glück darf in unserer heutigen Medizin so etwas nicht mehr geschehen.
Bevor man ein neues Medikament (oder eine neue Therapie) auf den Markt bringen darf, muss erst einmal ein plausibles theoretisches Wirkungsmodell aufgestellt werden. Dann müssen etliche klinische Studien gemacht werden, in der eine solche postulierte Wirksamkeit überprüft wird. Und zwar – ganz wichtig – nicht einfach per se, sondern immer im Vergleich zu einem Placebo oder zu bereits etablierten Methoden/Medikamenten (der „Standardtherapie“). Erst wenn sich hier eine wiederholbare Wirksamkeit nachweisen lässt, kann ein Medikament als solches zugelassen werden (dies ist hier natürlich sehr stark verkürzt wiedergegeben). Diese gesamte Zulassung muss derjenige erbringen, der das Medikament auf den Markt bringen möchte. Wobei es nicht primär darum geht, es lediglich auf den Markt zu bringen, sondern damit auch Patienten Heilung zukommen zu lassen. Hier konkurrieren manchmal Wissenschaft und Wirtschaft miteinander, das soll jetzt aber kein Thema sein.

Wichtig ist: Es ist ja nicht Sache des Patienten, welcher das Medikament erst mal angepriesen oder gar verschrieben bekommt, sich nach dem Wirkmechanismus oder den Wirksamkeitsnachweisen zu erkundigen. Nein, eine Therapie muss vorher geprüft und belegt werden und zwar von dem, der sie durchführen möchte.

Wo ist der Beweis?

Und bei der Homöopathie? Der Unterschied zu neuen Medikamenten besteht darin, dass sie nicht neu auf dem Markt ist, sondern bereits seit etwa 200 Jahren existiert. Sie hat sich also bereits etabliert und es sich in vielen Köpfen gemütlich gemacht mit dem Etikett „wirkt!“. Jetzt kommen die „bösen“ Kritiker daher und fordern die Homöopathie auf, sich nach den Maßstäben und Methoden der oben genannten, in der Medizin unverzichtbaren Prozesse als tatsächlich wirksam und damit für die Anwendung am Patienten vertretbar zu erweisen.

Und was tut die Homöopathie? Sie sagt nicht etwa: „Au ja, genauso läuft es in der Medizin, zu der wir gehören möchten: Wir weisen deshalb zunächst einmal nach gültigen wissenschaftlichen Regeln nach, dass die Homöopathie zuverlässig, reproduzierbar und oberhalb zu erwartender Zufallsergebnisse über Placeboeffekte hinaus wirkt. Wir erklären weiterhin unsere Wirksamkeitsvorstellungen so, dass sie naturwissenschaftlich verstanden werden können. Wir wollen, dass sich unsere Patienten sicher sein können, dass das, was wir ihnen anbieten, auch richtig ist und nicht nur ein Etikett bekommt (oder behält), das uns gefallen würde.“ Nein, dazu bekennt sich die Homöopathie nicht. Sie beruft sich für ihre Existenzberechtigung in der Medizin stattdessen darauf, dass die Homöopathie den Patienten „gefällt“! Was ja keiner bestreitet, aber nun wirklich nicht gleichbedeutend mit „wirksam“ ist.

Es wäre also an den Homöopathen, erst einmal eine Wirkung der Homöopathie zu belegen, und zwar nachvollziehbar und reproduzierbar. Dabei kann der Wirkmechanismus durchaus zunächst hintanstehen, es wäre aber schon zu erwarten, dass er – bei nachgewiesener Wirkung – irgendwann so erklärt wird, dass er innerhalb der geltenden Maßstäbe der Medizin und im Kontext des gültigen Wissens verstanden wird und plausibel ist. Daran scheitert die Homöopathie aber kläglich. Die Wirksamkeitsnachweise kommen über einen Vergleich mit Placebo nicht überzeugend hinaus oder sind schlichtweg fehlerhaft. Zu Wirkungsnachweisen gibt es eine Menge Theorien und auch Experimente, die aber weder mit gültigem Wissen vereinbar sind noch kritischem wissenschaftlichem Blick standhalten können.

So sieht es aus mit der Homöopathie. Sie kann die Anforderungen an einen Wirkungsnachweis nicht erfüllen. Insofern spielt der zweite Schritt, die Erklärung eines Wirkungsmechanismus, keine entscheidende Rolle mehr. Das bedeutet aber, dass die Homöopathie weiterhin peinlicherweise marktschreierische Behauptungen aufstellt, um sich einen Platz in der Medizin zu erhalten, ohne diese Behauptungen belegen zu können. Daraus folgt, dass sie nicht mehr Teil der Medizin sein kann.


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