Offener Brief an Gesundheitsminister Spahn zur Fortgeltung der Erstattung von Homöopathie in der GKV

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat gestern, am 17.09.2019, erklärt, dass er an der Erstattungsfähigkeit von Homöopathie durch die gesetzlichen Krankenkassen festhalten werde. Er führte dazu als Begründung die vergleichsweise marginalen Kosten hierfür im Vergleich zu den Gesamtaufwendungen der GKV-Kassen an, also das hinlänglich strapazierte „Peanuts“-Argument.

Es gibt zweifellos nur schlechte Begründungen für Herrn Spahns Entscheidung, aber wenn man sie schon qualifizieren soll, ist dies zweifellos die schlechteste von allen. Wir werden sehen, wie Politik und andere Gruppen darauf reagieren. Wir unsererseits sehen uns selbstverständlich veranlasst, in Form eines offenen Briefes an Herrn Spahn zu seiner Entscheidung Stellung zu nehmen:


 

Informationsnetzwerk Homöopathie
Wir klären auf – Sie haben dieWahl

 

18.09.2019

Herrn
Bundesminister für Gesundheit
Jens Spahn
via E-Mail

 

Sehr geehrter Herr Bundesminister Spahn,

aus Ihrem Statement vom 17.09.19 haben wir erfahren, dass Sie sich gegen eine Herausnahme der Homöopathie aus den Satzungsleistungen der gesetzlichen Krankenkassen entschieden haben. Nach unserer Einschätzung stützen Sie sich dabei auf einen Aspekt, der letztlich unerheblich ist und auch niemals Argumentationsgegenstand der wissenschaftlich orientierten Homöopathiekritik war oder ist.

Zwar sehen wir jeden einzelnen Euro für die Homöopathie als ungerechtfertigte Verwendung von Beitragsgeldern der Solidargemeinschaft an und nicht etwa als „Peanuts“. Jedoch sind die Gründe, die der Forderung nach einem Ende der Erstattungsfähigkeit und letztlich der Infragestellung der Arzneimitteleigenschaft von Homöopathika zugrunde liegen, ganz andere, weitaus gewichtigere. Sie geben mit Ihrer Entscheidung und deren Begründung nicht zuletzt einer zunehmenden Wissenschafts- und Faktenfeindlichkeit Raum, deren Auswirkungen Sie an anderer Stelle mit einer Impfpflicht dann wieder einzufangen versuchen.

      • Wir können nicht nachvollziehen, dass die Homöopathie entgegen der eindeutigen wissenschaftlichen Lage, an der sich auch durch die ständigen Interventionen der homöopathischen Lobby nichts ändert, politisch weiterhin getragen wird. Die Homöopathie hat keine spezifische arzneiliche Wirkung und damit keine medizinische Relevanz. Sie ist voller innerer und äußerer Widersprüche und damit unvereinbar mit dem gültigen und bewährten wissenschaftlichen Weltbild.
      • Als einer Methode, die allenfalls einen Placeboeffekt hervorzubringen imstande ist und sich ihre Erfolge auf Kosten natürlicher Krankheitsverläufe und der Selbstheilungsfähigkeiten des Körpers zuschreibt, darf ihr im Interesse der Patientenschaft keine öffentliche Reputation mehr zukommen. Diese öffentliche Reputation wurde ihr mit der Folge eines völlig verzerrten Bildes in der Bevölkerung jahrzehntelang zu Unrecht gewährt. Durch Ihre Erklärung, die Erstattungsfähigkeit nicht anzutasten, perpetuieren sie dies, statt dem notwendigerweise endlich entgegenzuwirken. Leider wird sich das nicht auf die Homöopathie beschränken, sondern dem gesamten Bereich der „alternativmedizinischen“ Mittel und Methoden mehr oder weniger zugutekommen.
      • Die Vermittlung des Eindrucks, Homöopathie sei wirksame Medizin, ist gegenüber der Patientenschaft nicht nur unredlich, sie ist auch gefährlich. Wir zweifeln nicht daran, dass Tag für Tag Menschen unnötig Schmerzen erleiden, Krankheitsverläufe sich verlängern, wirksame Therapien hinausgezögert oder im ungünstigsten Falle gar verhindert werden – nicht in jedem Fall mit „spektakulärem“ Ausgang, zweifellos, aber nicht hinzunehmen, da vermeidbar. Diese Fälle bleiben in aller Regel im Dunkelfeld, ihre Auswirkungen schlagen sich nicht in einer Homöopathiestatistik nieder, sondern in den Fall- und auch den Sterbestatistiken der so geringgeschätzen „Schulmedizin“. Hier wäre an die Verantwortung der Politik für das öffentliche Wohl zu erinnern. Es geht um Patientenschutz, Herr Minister!
      • Dass dies auch für die sogenannte ärztliche Homöopathie gilt, die der Zentralverein homöopathischer Ärzte vertritt, mag man an den Vorträgen erkennen, die dieser unter seiner Regie bei seinen jährlichen Ärztekongressen zulässt. Behandlung von Krebs, Aids, HPV-Infektionen, ADHS und mehr sind dort die spektakuläre Regel, nicht die Ausnahme.
      • Wir möchten auch nicht verhehlen, dass Sie die jahrelange Aufklärungsarbeit der wissenschaftlich fundierten Homöopathiekritik mit Ihrer Erklärung pro Homöopathieerstattung konterkarieren. Die Homöopathie-Propaganda, der wir täglich unsere Aufklärungsarbeit entgegensetzen, gewinnt wieder an Glaubwürdigkeit.
      • Erlauben sie noch einige Anmerkungen zum pekuniären Aspekt, ohne dessen nachrangige Bedeutung relativieren zu wollen.
        Vielleicht ist Ihnen nicht recht deutlich geworden, wie widersprüchlich mit dem Kostenaspekt umgegangen wird. Einerseits soll es sich zwar um „Peanuts“ handeln, andererseits wird eine Änderung der Erstattungsregelung jedoch zu einer Maßnahme ungeheurer – auch wirtschaftlicher – Tragweite hochstilisiert.
        Zudem sind grundsätzliche Zweifel  angebracht, ob der genannte Betrag die mit der Anwendung der Homöopathie einhergehenden Kosten vollumfänglich erfasst.
        In dem von Ihnen genannten Betrag fehlen die Regelleistungen für homöopathische Behandlungen von Kindern und Heranwachsenden sowie vor allem die Aufwendungen für die ärztliche Vergütung homöopathischer Leistungen, beide sind unseres Wissens nicht statistisch erfasst.
        Nach den Untersuchungen von Witt/Ostermann verursachen homöopathieaffine Patienten bei der Krankenversicherung durchweg höhere Kosten. Alleine das dort untersuchte Kollektiv von über 22.000 Patienten der TK verursachte direkte Mehrkosten von fast 35 Millionen Euro in den ersten 18 Monaten. Dies lässt sich sicher auf andere Krankenkassen übertragen. Wir überlassen es ihrer Vorstellungskraft, wie sich das wohl darstellen wird, kommen die homöopathieaffinen Patienten erst einmal in höhere Lebensalter mit höheren Risiken für chronische Erkrankungen.
        Über diese konkreten Punkte hinaus wäre aber auch zu berücksichtigen, dass mit Folgekosten – im medizinischen wie im volkswirtschaftlichen  Bereich –  infolge von Therapieverzögerungen durch praktisch unbehandelt sich entwickelnde Krankheitsbilder zu rechnen ist.
        Auch wenn man geneigt ist, die Argumentation mit den angeblich niedrigen Kosten isoliert zu betrachten, fußt sie doch demnach auf einer zumindest unvollständigen Betrachtung und kann deshalb auch für sich allein genommen nicht stichhaltig sein.
      • Es sei noch der Blick in die europäischen Nachbarländer wie England, Frankreich oder Spanien angemahnt, die sich klar wissenschaftlich orientiert und unbeeindruckt von Protest und Demagogie der Homöopathie-Lobby zeigen. Dort verfährt man nach den eindeutigen wissenschaftlichen Befunden und im Sinne des Patientenschutzes. Von dort gehen teils Initiativen zu einer Änderung der EU-Arzneimittelrichtlinie aus, um auf dieser Ebene die Arzneimitteleigenschaft der Homöopathie zu beenden. Wie soll sich Deutschland bei der hier anstehenden Diskussion positionieren?

Als Organisation, die seit 2016 in Deutschland den Diskurs der wissenschaftsbasierten Homöopathiekritik führend mitbestimmt, sehen wir uns zu diesen Anmerkungen verpflichtet. Wir bedauern Ihre Entscheidung und können ihr nicht folgen. Wir werden in unserer Kritik fortfahren und weiter das Ziel verfolgen, der Homöopathie die für sie angemessene Rolle zu verschaffen: diejenige einer der vielen Methoden, die bekannt, auch populär sind und auch sicher weiter verfügbar bleiben, die aber spezifisch wirkungslos sind und deshalb nicht Gegenstand gesetzlicher Privilegierung und der Gesundheitsversorgung in einem öffentlichen Solidarsystem sein können.

Mit freundlichen Grüßen
Informationsnetzwerk Homöopathie – INH


Der vorstehende Offene Brief ist eine Stellungnahme des Informationsnetzwerks Homöopathie, er steht jedoch zur Mitunterzeichnung allen offen, die die darin zum Ausdruck kommenden inhaltlichen Positionen teilen.

Wer mit Namen / Titel und Wohnort mitzeichnen möchte, kann dies per Mail an info@netzwerk-homoeopathie.info gern erklären. Wir verwenden die mitgeteilten Daten nur für diesen Zweck und geben keinerlei weitere Daten, wie z.B. Mailadressen, an Dritte weiter.
Dies ist die Liste der namentlichen Mitunterzeichner, die laufend ergänzt wird:

820 Mitunterzeichner
 
Dr. med. Natalie Grams, HeidelbergDr. Ing. Norbert Aust, Schopfheim
Dr. med. Christian Lübbers, WeilheimDr. med. vet. Rolf Wagels, Hannover
Prof. Edzard Ernst, CambridgeAmardeo Sarma, Roßdorf
Bettina Frank, KielDr. Theodor Much, Baden (Österreich)
Udo Endruscheit, EssenSusanne Aust, Schopfheim
Dr. med. Jan Oude-Aost, DresdenStefan Schwarz, München
Prof. Dr. Rudolf Happle, FreiburgDr. Christian Weymayr, Herne
Johannes Köbberling, WuppertalDipl.-Med. Jens-Uwe Köhler, FA für Kinder- und Jugendmedizin, Erkner
Michael Scholz, KronachStefan Kirsch, Erlangen
Iris Hundertmark, Apothekerin, Weilheim Dr. Markus Seidel, Münster
Dr. Michael Jachan, St. Pölten, ÖsterreichOliver Rautenberg, Bochum
Dr. med. Oliver Harney, Bietingheim-BissingenDrs. Sabine Breiholz, Berlin
Nanea Taylor, PhD, HamburgDr. Benedikt Matenaer, Bocholt
Dipl.-Phys. Hans Pfeufer, BerlinKai Rabus, Berlin
Dr. Holm Gero Hümmler, Bad HomburgHolger von Rybinski, München
Oliver Demmert, DüsseldorfDipl.-Pharm. Viola Stuppe, München
Dr. med. Wolfgang Vahle, PaderbornDr. med. Dipl.-Psych.
Claudia Nowack, Münster
Prof. Dr. Jutta Hübner, JenaChristoph Zeitschel, Laatzen
Dipl.-Biologe Thomas Hülseberg, OytenProf. Dr. med. Harald J. Schneider, München
Prof. Dr. phil. Peter Brugger, Valens (Schweiz)Annika Harrison, Siegburg
Dr. Rainer Rosenzweig, NürnbergMechthild Zimmermann, Essen
Marc Zimmermann, EssenProf. Michael Bach, Freiburg
Michaela Kopitzsch, WarsteinDr. Stephanie Dreyfürst, Frankfurt am Main
Burkhard Rittinghaus, KelsterbachUlrich Maas, Berlin-Zehlendorf
Markus Endruscheit, EssenDr. Franz Kass, Willich
Bettina Meyer-Ried, HünstettenDipl.-Biologin Ariane Ullrich, Zossen
Marc Weisener, BensheimDominik Andree, Altenstadt / WN
Jan Sajfutdinow, LeipzigDr. Petra Nass, München
Arne Meusel, MünchenDipl. Phys. Mauro Venier, Auerbach in der Oberpfalz
Dr. med. Tilman Schwilk, Schramberg
Dittmar Graf, Dortmund
Gudrun Borghardt, MünsterElvis Ilić, Aystetten
Kirsten Evers, HamburgDorothea Koehler, Hamburg
Natalie Bäumler, IsmaningRobert Dettmann, Dortmund
Christoph Schwalb, GundelfingenFrank Unfried, Greifswald
Annika Rupsch, NortorfTorsten Falldorf, Nienburg / Weser
Florian Craß, SinsheimClaudia Teubner, Leipzig
Dr. Cyril Robert Brosch, BerlinJens Friedberger, Golmbach
Patricia B. Morena, GardingSven John, Reinbek
Fabian Link, Halle (Saale)Juraj Halfmann, Karlstadt
David Lehmann, PlüderhausenThomas Schultheis, Dortmund
Dominic Zander, EssenDr. Anne Hauswald, Salzburg (Österreich)
Lisa Freydenberger, Stein bei NürnbergFlorian Wombacher, Nürnberg
Dr. Christine Prager, Berlin (Charité)Udo Hilwerling, Paderborn
Mathias Kluge, RostockManuela Glock, Großrosseln
Tobias Maier, KarlsruheSarah Tipp, Hannover
Thomas Brass, SaarbrückenMarcel Lehmann, Lehre
Jeanine Heise, LeimenAndreas Linnemann, Dortmund
Arne Rabens, WalsrodeDr. Hans Rohnert, München
Martina Dickel, DortmundJulian Krabs, Wuppertal
Sarah Kabisch, Ärztin, HamburgDr. Jens Jäger, Aachen
Florian Makilla, FreisingDietrich Schwarz, Biedenkopf
Korbinian Plock, MünchenLothar Küpper, Kiel
Patricia Hübscher-Mahr, BerlinSabrina Schlupp, Fladungen
Christian Rohdenburg, MünsterSusann Rohdenburg, Münster
Björn Erichsen, HamburgYvonne Krause, München
Dörte Faatz, RatingenMonika Höfig, Ludwigsburg
Jörg Seidel, HamburgAndreas Hönig, Magstadt
Frank Bürkle, FellbachClaudia Koch, Ilmenau
Dr. Stefan Gawrich, WetzlarSören Trotzauer, Chemnitz
Gerd Engelmann, Lutherstadt WittenbergKai Grünler, Plauen
Ralf Layher, Edingen-Neckarhausen Benjamin Reschke, München
Sebastian Reichmann, FintelStephanie Loritz, Saarbrücken
Frank Busch, EssenRobert Scharf, Dresden
Dr. Rachel Cohen, BerlinStefan Georg Murk, Nürnberg
Britt Salewski, KölnMichael Lupp, Eslohe
André Steinhäuser, Barkow Robert Miglo, Böblingen
Mustafa Aydemir, Schwäbisch HallTobias Konhäuser, Lörzweiler
Sebastian von Saldern, BerlinMarcel Juhnke, Hof
Timur Gercek, OberurselUwe Nürnberger, Bürgel
Hendrik Kranert-Rydzy , MichendorfStefan Thaens, Lutherstadt Wittenberg
Mario Löhr, KoblenzIsabel Schneider, Gröbenzell
Lars Eckhoff, LeverkusenRobert Stähling, Haltern am See
Thierry Lubin, TeupitzSven Markus, Nürnberg
Dr. Tobias Fromme, NandlstadtJan Euteneuer, Kiel
Simon Felix Schmidt, PrisdorfDr. Sandra Kampling, Hamburg
Markus Grabicher, Rosengarten-NenndorfJens Herforth, Berlin
Andreas Horneber, IllesheimAxel Nennker, Potsdam
Dirk Hartmann, DeensenWolfgang Becker-Freyseng, München
Rebecca Narr, DüsseldorfNis Wechselberg, Kiel
Dr. Elisabeth Grunwald, GautingKatja Meixner, Hoyerswerda
Matthias Parthesius, HamburgMiriam Erwe, Aachen
Andreas Leutenmayr, BuchloeFerdinand Schultz, Beckdorf
Mirko Ernst, MeckenheimDipl. Psych. Thore Zuber, Fürth im Wald
Christian Dannat-Meinicke, BördelandMatthias Wagner, Hamburg
Sven Löffler, ChemnitzChristina Tessmer, Chemnitz
Tristan Rippel, LeipzigChristian Wilkens, Bremen
Michael Kraft, HerbertingenKai Steger, Rothenburg ob der Tauber
Leona Kater, HerfordNina Grimme, Hannover
Stefanie Piechulek, Bad OeynhausenEike Kappelhoff, Guntersblum
Mario Gedes, Osterholz-ScharmbeckDaniel Kasmeroglu, Berlin
Kai Rottleb, HaßlebenSaskia Thau, Mainz
Max Stärz, DarmstadtPatrick Werner, Mannheim
Daniela Tauber, SchierlingAnne Tietz, Drachhausen
Dr. phil. Daniel Friedrich, LeipzigDavid Kater, Hamburg
Patrick Dubbrow, Bad SchönbornCand. med. Jens-Markus Thomsen
Ralf Zeigermann, WischhafenNadja Eifrig, Plauen
Volker Kraus, DattenbergDaniel Oster, Montabaur
Falko Helfer, LeipzigRingo Paulusch, Berlin
Steffen Laible, LudwigsburgRolf Rosenbaum, Langenfeld (Rhld.)
PD Dr. med. Bastian Grande, Zürich (Schweiz)Dr. Jonathan Meyer, Ulmet
Andreas Steinau, UlmAndré Kazmierczak, Lünen
Till Fischer, GilchingJohanna Roth, Baden-Baden
Dr. Matthias Englmann, FriedbergFranz Tröstl, München
Christian Knitter, Marburg
Wolfgang Keil, Bayreuth
Ralf Pirle, AltenstadtLasse Einig, Hamburg
Nils Treu, MindenJanine Pahl, Oberkrämer
Tobias Lang, BerlinBernhard Kroeker, Nidderau
Sylvia Leinemann, KasselSören Krüger, Heidelberg
Steffen Hatzelmann, EschauTristan Bartsch, Frankfurt am Main
Udo Gath, StolbergDr. rer. medic. Johannes Hüsing, Heidelberg
Michael Küper, LüdenscheidChristian Hawel, Berlin
Mag. rer. nat. Dipl.-Psych. Alexander Lorenz, IlsenburgUwe Wein, Oberwinter
Dana Buchzik, BerlinTheodor Olbing, Grevenbroich
Dr. rer. nat. Stefan Bauer, BerlinNabard Faiz, Marburg
Inga Sauer, DortmundBirgit Richter, Hamburg
Wolfgang Gross, WedelSophia Trott, Frankfurt
Sabine Haupt, HeidelbergNadine Hotze, Sondershausen
Martin C. Hoehne, CuxhavenAnna Sonnenburg, M.Sc. (Toxikologie), Charité, Berlin
Dr. med. Pauline Villwock, EberswaldeStephanie Wieland, Hamburg
Peter Klausner, AschaffenburgNiklas Schreiber, Hamburg
Daniela Keßler, MülheimBenjamin Beeker, Bochum
Markus Lauf, WedelJens Schüler, Berlin
Dr. phil. Marc Fabian Buck, BerlinSeverin Tatarczyk, Bonn
Vera Sauer, WiesbadenThomas Freise, Garbsen
Frank Elsner, BerlinMads Gundesen, Hamburg
Christoph Liedel, BonnSteffen Gruner, Dresden
Alexander Riedmüller, FürthRainer Schönen, Bad Honnef
Martin Knopp, MünchenRené Haine, Oberstadtfeld
Michael Schindler, BassumSandra Nienkemper, Meiningen
Dr. med. Sebastian Schrader, KrefeldAntonia Heidelberger, Langwedel
Axel Bojanowski, HamburgDr. rer. nat. Roland Gromes, Heidelberg
Andreas Decker, FreisingUwe Hunz, Dortmund
Svenja Hunz, DortmundJanusz Ingwersen, HNO-Arzt, Kiel
Martina Große, KannawurfSebastian Platz, Wiesbaden
PD Dr. med. Jaster Illusion, Frankfurt am MainMarcus Kuba, Leonberg
Emil Manthey, Halle (Saale)Adrian Kirchner M.Sc., Großheirath
Claudia Schertel, FürthAlois Becker, Bonn
Elsbeth Tatarczyk-Welte, Bonn
Michael Wilke, Coesfeld
Stefanie Adam, NortorfJenny Günther, Calau
Rabea Schulte, FinnentropManuel Baumeister, Düsseldorf
Thore Brandes, OldenburgMichael Grubinski, Recklinghausen
Mark Lorenz, Berlin-SteglitzNico Harbach, Wettenberg
Jörg Schekies, WäschenbeurenVictor Starrach, Heidelberg
Andreas Brammer, DortmundDr.med.Thomas Kunkel, München
Helga Kittl, HamburgSven Becker, Cadolzburg
Frank Erfurt, PotsdamLars Wismar, Kiel
Matthias Linhuber, MünchenGregor Ottmann, Ottobrunn
Max Paul Juch, ErfurtDaniel Morgenstern, Berlin
Claus von der Decken, OldenburgJoschua Knauf, Saarbrücken
Dr. Stephan Schwarz, UlmFelix Schmäußer, Auengrund
Nadja Thies, HachenburgWiebke Lindheimer, Berlin
Achim Lindheimer, BerlinProf. Dr. Henning Höppe, Augsburg
Dr. Christopher Schnaitmann, Freiburg
Daniel Hamacher, Köln
Dr. Sandra Loohs, Dipl.-Psych., MünchenDipl.-Phys. Florian Enders, Lahnstein
Konstantin Haubner, ForchheimHendrik Amann, Mülheim (Ruhr)
Silke Wolschendorf, HamburgMarina Männle, Heidelberg
Andrea Uhde, BraunschweigCornelia Kurz, Dresden
Tobias Fischer, EssenEdwin Kobert, Melsungen
Karin Paprotta, SulzbachDr. med. Markus Stephan, Denzlingen
Dr. Wolfgang Deisser, DillingenIngrid Wesseler, Daun
Dr. Ilia Louban, HeidelbergAlexander Ulbricht, Rosenheim
Dr. rer. nat. Thomas Grehl, Münster Dr. Katrin Streubel, Marburg
Uwe Henkel, HilpoltsteinTatjana Hoenich, Oberhausen
Jona Krämer, HeidelbergInes Fischer, Feucht
Claudia Latz-Erken, NiederzierJohannes Handschick, Hamburg
Dr. med. Dr. rer. nat. Jochen Förster, EschweilerHeike Jessen, Flensburg
Eric Portugall, WiesbadenLuca Böhl, Remscheid
Simon Lorrek, Neuss-NorfSimon Zaffalon, Merchweiler
Lore Reß, WöllstadtBirgit Wehrheim, Braunschweig
Torben Michaelsen, BretstedtJohannes Merz, Dreisen
Tonio Koppe, BerlinFrauke von Welck, Bonn
Katharina Schönfeld, HannoverLennart Schönfeld, Hannover
Amadeus Brümmer, HamburgKatharina Jermolov, Wiesbaden
Nicole Weyandt, EssenJulian Erdmann, Berlin
Eugen Schmid, Zürich (Schweiz)Dr. Alexander Peltzer, Tübingen
Sebastian Becker, Bad OeynhausenChristiane Reiter, Witten
Thomas Kuntke, MeißenClaudia Kranenburg, Rhede
Dr. med. Felix L. Strübing, MünchenAlexander Afrim, Kassel
Stefan Friedrichsen, BremenMichael Nagel, Leinfelden-Echterdingen
Damian von Prondzinski, MünsterRonny Schmaler, Dresden
Dr. Sigrid Mulas, KölnSteffen Roßkamp, Langeln
Sinaida Thiel, OberurselDirk Wittmer, Remseck
Richard Hauch, HamburgBernhard Scholz, Senftenberg
Christian Horst, HamburgFelix Bauer, Würzburg
Frederik Sakuth, HamburgSebastian Offermanns, Hannover
Dr. Marc Hanefeld, BremervördeDietmar Schorzmann, Wetter
Wolfgang Reinöhl, BerlinJuliane Otte, Leipzig
Susan Drobe, HamburgManfred Koren, Koblenz
Dr. med. Sebastian Springer, FreiburgJanina Pitsch, Offenbach
Marc Dathan, FellbachHans Keller, Böhmfeld
Carmen Treulieb, Frankfurt am MainUdo Janzen, Krefeld
Matthias Alexander Spies, SaarlouisStephan Hobusch, Berlin
Sabrina König, Bad SalzuflenMarco Bahrs, Hamburg
Christian Sturm, BerlinMichael Bleeker, Emden
Moesha-Jane Eckert, KasselMoritz Wehrle, Wallisellen (Schweiz)
Dorthe Kaufmann, Rendsburg Ingo Krause, Mainz
Heidi Opitz-Bleeker, EmdenMariana Jahrow, Berlin
Charlotte Arndt, WildeshausenHarald Bartels, Sulingen
Hannes Wienke, WismarJens Hüsers, Papenburg
Anja Korb-Sura, LahnsteinDaniel Becker, Bornheim
Volker Benedikt, Villingen-SchwenningenEva-Marie Ehrke, Kiel
Alexander Poblotzki, Facharzte Ortho. & Unfallchirurgie, Gera
Ann-Kathrin Williams, Erlangen
Dr. Jutta Zerres, LandshutBente Rosebrock, Buxtehude
Thomas Ehlicker, AugsburgChristoph Peppler, Dortmund
Dirk Armbrust, HamburgFrank Weber, Krefeld
Axel Lauer, BerlinDr. Hannes Müller, Haltern am See
Robert Wolter, WuppertalAndreas Böttcher, Östringen
Christian Vollrath, RavensburgStefan Bogdanski, Hauenstein
Benjamin Hensen, EinigAnna Karima Köhler, Hamburg
Timo Westphal, HamburgIris Zerger, Hainfeld
Charlie Periane, Garmisch-PartenkirchenRolf Eustergerling, Gütersloh
Christoph Heinrich, BaiersbronnDr. med. Jürgen Hinrichs, Hiddenhausen
Torsten Rossa, MainzSven Kretschmann, Berlin
Sascha Kluwe, Groß GrönauDarius Sanders, Dinslaken
Dr. med. dent. Claudia Bär, MüllheimDr. Sebastian Wucher, Laudenbach
Virginia Rademacher, AachenHeike Wechsung, Hütten
Dr. Dominik Pengel, OsnabrückBjörn Wolter, Georgsmarienhütte
Ralph Stark, BonnElmar Kirchhoff, Bielefeld
Dr. Hannes Michalek, PotsdamDirk Bodensiek, Lienen
Michael Maffei, MainzRené Fontaine, Göttingen
Jutta Radke, Langen (Hessen)Nico Weber, Radolfzell
Barbara Grün, FuldaPhilip Linnartz, Eschweiler
Annette Jost, Bad VilbelSibylle Luise Binder, Stuttgart
Dr. Renate Budde, WillichDr. Markus Mund, Heidelberg
Maik Bednarz, Südlohn-OedingMartina Müller, Zell am Main
Thomas Jansen, TönisvorstPatrik Sigwart, Bad Vilbel
Yvette Blüher, Berlin Susanne Busch, Oldenburg (NS)
Margret Lippik-Winkler, EssenSascha Patrick Huck, Schenefeld
Daniela Fois, HamburgOle Diepen, Lachendorf
Frithjof Schmeer, LüneburgDr. Cinthia Briseño, München
Alexander Neu, HamminkelnKathrin Unverdorben, Passau
Lilli Fischer, ErfurtMUDr. Viliam Masaryk, Gera
Bernhard Varnskühler, Wilhelmshaven Manuel Forstner, Sulz am Neckar
Dr. Hermann Kruppert, TrierSimon Schmelcher, Langenau
Margrit Caspers, RommerskirchenCarsten Caspers, Rommerskirchen
Enrico Helbig, TaunussteinDr.-Ing. Daniel Herrscher, Gröbenzell
Britta Stöcker, Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Bonn Josef Gangkofer, Freising
Prof. Dr. Ulrich Krohs, MünsterBrigitte Offermann, Aachen
Lars Theiß, Hamburg M.Sc. Mario Stief, Trier
Zlata Jäger, NeuhofenErik Bunert, Langenhagen
Carsten Kock, HamburgRalf Hillebrand, Paderborn
Franz-Josef Diehl, SchifferstadtJessica Kenner, Schondra/Schildeck
Dr. rer. nat. Sebastian Boegel, MainzSamantha-Emily Wolf, Bochum
Dr. med. Jan Krycki, MünsterMatthias Weghofer, Landshut
Oliver Schleelein, KulmbachDr. Jens Knauer, Greifswald
Dirk Lein, HamburgMarc Frantz, Sulzbach (Saar)
David Junge, GöttingenDr. Dorothea Kaufmann, Heidelberg
Stefan Otto, KarlsruheMartin Böck, Ingolstadt
Dr. rer. nat. Christian Soltenborn, PaderbornMonika Kreusel, Köln
Sabine Müller, Klein-Winternheim Dr. Anna Fink, Köln
Sascha Schulz, NörvenichGiulia Mryka, Wuppertal
Klaus Helmschmied, DuisburgNadine Fehr, Böblingen
Lukas Rentsch, TeterowAnnika-Kathrin Sprenger, Dortmund
Stefan Lebisch, RegensburgSebastian Braun, Schwabach
Norbert Müller, BonnDr. med. Claudia Aschenbrenner, Velden/Mittelfranken
Christian Keßen, HertenDr. Michael Geißer, Mannheim
Christian Specht, HagenAlexander Bauer, Mannheim
Anja Hennrich, Kirchheim unter Teck
Sven Ruffing, Blieskastel
Sascha Bartelt, Essen Anke De Masi, Berlin
Dipl.-Ing. (FH) Stefan Dewald, MannheimHildegard Knauf, Contwig
Johannes Knauf, ContwigDirk Winkler, Bönningheim
Henrik Zawischa, HamburgDr. rer. nat. Ingo Paulsen, Solingen
Mia Paulsen, SolingenJan Nordus, Norderstedt
Christiane Havlitschek, LörrachSibylle Kaduk, Berlin
Katharina Bröhl, Ärztin, SchwerinGero Geißlreiter, Northeim
Peter Sinnemann, WiesbadenThomas Fuchs, Frankfurt am Main
Mirko Bilz, GeraBernhard M. Frank, Zahnarzt, Schleswig
Adolf Markl, ForchheimLutz Bommel, Bad Liebenwerda
Lilian Wach, Wien (Österreich)Andreas Neuthe, Spremberg
Kathrin Kinast, RosenheimDr. rer. nat. Simon Strietholt, Essen
Stefanie Bergmeir-Hupfer, Neumarkt/OPf.Christian Roebers, Bielefeld
Ruben van Treeck, Berlin Dr. Oliver Fröhlich, Bülstedt
Dr. Stephan Arlinghaus, OberkochenClaudia Kamp, Münster
David Männle, HeidelbergSabine Mauer, Halsenbach
Dorothee Van den Hoogen-Zoerner, BüchlbergKatharina Hören, Hagen
David Schipp, Tierarzt, MünchenEva Draengler, Zerf
Marc Freudenberg, Puchheim Stefanie Hild, Waldbröl
Nils Lütke-Steinhorst, KölnRichard Havelka, Mariaposching
Benedikt Müller, PirnaKonstantin Heuchert, Mörfelden-Walldorf
Daniel Herborn, NetphenKnut Wiesel, Wedel
Claudia Schirra, Schönenberg-Kübelberg
Simone Krüger, Berlin
Björn Schmitt, Höchstadt a.d. Aisch

Philip Schunke, Berlin
Claudia Weber, KarlsruheStephanie Platzer, Jena
apl. Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Christoph Lang, HeroldsbachDr. med. David Schneider, Karlsruhe
Michael Schulz, ErlangenCornelia Beeking, Münster
Andreas Schmeidl, Frankfurt am MainChristine Fuchs, Viernheim
Alexander Graf-Brill, St. IngbertDr. Florian Pfaff, Krems (Österreich)
Astrid Holzamer, BonnDirk Kropp, Bochum
Franziska Ruppert, RegensburgDominik Rapp, Wolpertswende
Prof. Dr. Laura Seelkopf, MünchenMarco Schwan, Harthausen
Robert Wisetrit, BerlinJens Juffa, Bleichenrode
Dr. Ulrich Ernst Hackler, BottropProf. Dr. Timo Niedermayer, Halle (Saale)
Harald Milz, NeufahrnMaximilian Wiesner, München
Bettina Hutt, DuisburgEva Peters, Waldshut-Tiengen
Ralf Radke, Langen (Hessen)Sascha Hill, Hanau
Jorge Leão da Silva, BremenMarie-Caroline Schulte, Friedberg (Hessen)
Bettina Knülle, Frankfurt am MainTorsten Pohl, Fahrenzhausen
Dr. Pawel Romanczuk, BerlinMarija Tojagic, Hamburg
Markus Rabe, HasteMichael Kuhlmann, Eichwalde
Dr. Claudia Sturm, GiengenHardy Koch, Hamburg
Dr. Lena Lehmann, LeipzigAndre Veltens, Düsseldorf
Andreas Kebschull, WormsChristoph Mahlke, Wittingen
Albert Baumhauer, MeckenheimAnja Rödiger, Leipzig
Dr. Karl-A. Rinast, Ober-RamstadtMarcus Bothe, Braunschweig
Dr. David Langenberger, AugsburgTill Hofmann, Aachen
Elke Marion Utecht, Swisttal-OdendorfDr. Oliver Krüger, Berlin
Eva-Maria Richter, Zwickau Tim Wingler, Rodgau
Dipl.-Phys. Thorsten Kulak, ScharbeutzDr. Carsten Sommerfeld, Lindow
Jens Brugger, Efringen-Kirchen
Dr. med. Verena Schmidt, München
Sebastian van der Voort, WülfrathFlorian Wunderlich, Markneukirchen
Malte Koch, KleveCornelia Zeumer, Lampertheim
Ursina Zwicky Schmid, Courtelary (Schweiz)
Konrad Schiemert, Ostfildern
Marina Blumberg, AdelsenUlrich Bock, Soltau
Maja Menzenhauer, Wetter/RuhrJonas Mikulsky, Hamburg
Dr.med.vet. Caroline Blobel, Berlin-ZehlendorfKlaus Ullmann, Hamburg
Freimut Mertes, QuierschiedDr. Jochen Blom, Gießen
Martin Heller, HamburgDr. Moritz Bubeck, Ludwigsburg
Michael Schwarz, MünchenMirja Kleinschmidt, Norderstedt
Prof. Dr. Oliver Bendel, Zürich (Schweiz)Bernd Rehmke, Karlsbad
Yvonne Fritz, MeiningenDr. Ingeborg Wirries, Ronnenberg
Gerhard Baierlein, NeuendettelsauMike Opitz, Halle (Saale)
Dr. Udo Feldkamp, DuisburgM.Sc. Psych. Benjamin Lemme, Berlin
Manuel Clunie, DüsseldorfFlorian Böttinger, Böblingen
Ute Eppinger, KarlsruheDr. Claus Schertel, Freising
Isabel Schygulla, BerlinPatrick Siebold, Stuttgart
Christa Nesselrath, MeerbuschDr. Christopher Tamm, Ulm
Hagen Tillger, MünchenIngo Eitelbach, Lübeck
Prof. Dr. Matthias Teßmann, NürnbergCédric Jockel, Neu-Anspach
Dipl.-Ing. Sebastian Roth, DarmstadtChristina Nürnberger, Essen
Tom Fuhrken, RastedeJan Scharwächter, Leverkusen
Dipl.-Chem. Kerstin Dönecke, MönchengladbachRebecca Maisolle, Minden
Nicole Pflugrad, BerlinJens Rehaag, Horstmar
Ulrich Erkelenz, ViersenPatrick Olender, Solingen
Dr. med. Alexander Shimabukuro-Vornhagen, KölnDipl.-Phys. Rainer Thüne, Dortmund
Michael Ganß, BerlinMarianne Mauch, Ladenburg
Ulrike Maessing, Lahnstein
Christian Gall-Rödel, Heidelberg
Marie Alex, BerlinNina Klapetke, Hamburg
Sophia Schlette, BerlinSarah Kaufmann, Leipzig
Janine Hintze, BerlinUte Obernberger, Cloppenburg
Maria Fründ, DresdenVincent Weber, Berlin
Thomas Unglaub, AschaffenburgAlexandra Feißt, Hohberg
Daniela Wehlmann, BerlinClemens Radl, München
Arnim Sommer, DuisburgGregor Schwanke, Leipzig
Dr. rer. nat. Alisa Brockhoff, MünchenPhilipp Reichmuth, Bochum
Jörg Stemmer, BielefeldDr.med. Michaela Wangler, Dortmund
Sebastian Hilden, DüsseldorfFelicitas Klings, Wiesbaden
Ingo Schmidt, EssenBarend Wolf, Rüsselsheim
Daniel Mählitz, HamburgRainer Franke, Walsrode
Jürgen Ripperger, Nörten-Hardenberg
Dirk Schelhasse, Frankfurt am Main
Harald Strasser, Friedrichshafen
Franz Schmale, Rheine
Frank Runge, KölnSascha Küster, Pulheim
Barbara Buchberger, BerlinHolger Schmidt, Ratingen
Maria Müller, BerlinMike Walter, Radeberg
Claudia Hill, BerlinUwe Kuhlmann, Reinfelden
Dr. Sandra Büchsel, MarburgAndreas Reiser, Mönchberg
Sibylla Brückner, SchwandorfIris Jakobs, Kevelaer
Christina Schüttler, ErlangenAlexander Küffmeier, Würselen
Peter Schmid, HeilbronnSteffi Koch, Hude
Stefan Kühling, KölnRuth Sieber, Elsdorf
Roman Karlstetter, MünchenMoritz Franckenstein, Minden
Bernhard Prosig, SchwabhausenClaudia Thoß, Leipzig
Thomas Jansen, WassenbergKarl-Heinz Clos, Endlichhofen
Julius Henning, StahnsdorfAndreas Lehmann, Hainburg
Dr. med. Dieter Isert, EschbornMandy Neumann, Köln
Ingrid Piegendorfer, LandshutSvenja Ortmann, Köln
Agnieszka Kanning-Wisniewska ,HannoverAndré Pix, Lindau
Lühke Lühken, RekenBernhard Thielke, Gronau
Dr. med. Elisabeth Arnold, Klein-WinternheimMaximilian Berger, Stuttgart
Ronald Pfitzer, MurrhardtMelanie Künzel, Plauen
Hans-Joachim Fleck-Bröse, Kressbronn a. B.Chris Mühlnikel, Stadtroda
Marcel Heß, RoßdorfSusanne Zimmer, Hamburg
Wolfgang Graff, AltenglanClaudia Hoffmann, Köln
Jochen Drechsler, HeigenbrückenDr. Tobias Schafmeier, München
Siegfried Stier, BraunschweigDr. Martin Christiansen, Hollenstedt
Jens Thaele, KölnRobin Tautkus, Jena
Tanja Bergauer, MannheimAndreas Bergauer, Mannheim
Ulrich Höxer, Nürnberg Michael Neumann, Ansbach
Antje Ebel, NeubrandenburgReinhard J. Wagner, Ilmenau
Philip Nellessen, KölnBettina Banse, Köln
Adalbert Sedlmeier, ZusmarshausenWerner Kübler, Falkensee
Thomas Nittel, BirkenfeldJan Jungfleisch, Frankfurt am Main
Dr. med Armin Philipp , Marbach am NeckarPatrick Larscheid, LtdMedDir, Berlin
Alexander Völkl, WaldsassenDr. Gerhard Czermak, Friedberg
Dominik Gritschmeier, Nürnberg Kurt Stützer, München
Arash Biroodian, Halle (Saale)Julia Westermann, Essen
Ludwig Wieprecht, EllerhoopBjörn Banisch, Berlin
Leonard Niesik, SolingenPartei der Humanisten, Landesverband NRW
Ernst-Günther Krause, UnterschleißheimMatthias Schönfeld, Berlin
Frans Joris Fabri, KißleggPeter Lehmann, Morsbach
Jörg Hannig, OlchingRobin Schünemann, Leverkusen
Prof. Dr. Jeanette Erdmann, Lübeck Dipl.-Phys. Claudia Faber, Berlin
Michael Faber, Arzt, BerlinBernd Kockrick, Braunschweig
Dr. med. Klaus Reimert, KorschenbroichOliver Dolp, Schwalmstadt
Cornelia Wagner, UlmKatharina Kühn, Vaihingen an der Enz
Matthias Schillig, SondershausenDr. Joerg A. Runge , Bottrop
Fabian Westhauser, StuttgartProf. Arndt Bröder, Heidelberg
Dr. rer. nat. Stefan Rauschen, JülichAnna Christina Koschik, Schwerte
Dr med Julia Stenzel, Rheine Werner Koch, Aidlingen
Sonja Tauber, HamburgMichael Hagen, Rastatt
Patrick Kehler, GroßenwieheWerner Haas, Pirmasens
Dr. phil. Peter Löffelad, SpraitbachDr. rer. nat. Patrick Kursawe, Wetter (Ruhr)
Peter Flemming, Bad TölzMarkus Wunschik, Frechen
Gisela Schröder, HamburgDipl.Ing.(FH) Hermann Krah, Ilvesheim
Dr. Daniel Wallner, Leonberg
Andreas Koch, Stuttgart
Marius Sprenger, BerlinElke Hergenröther, Hollfeld
Susanne Meyer,
Medizinaloberrätin,
Stuttgart
Hans Trutnau, Eltville
Uwe Wüstenhagen, AhrensburgBenedikt Kühl, Wuppertal
Natalia Torow, AachenBastian Hanl, Aachen
Vivian Manie Baumert , Werther (Westf.)Dr. med. Markus Löffler,
Tübingen

 


Bild von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay

Das INH an EU-Abgeordnete zur Homöopathie in der EU-Arzneimittelrichtlinie

Die spanische Regierung greift inzwischen weit aus bei ihrer Haltung zur Pseudomedizin. Sie will z.B. die Arzneimitteleigenschaft der Homöopathie nicht mehr hinnehmen, will Homöopathika aus den Apotheken verbannen und hat die erste Charge an Homöopathika, die nach Aufforderung keinen validen Wirkungsnachweis vorlegen konnten, auch schon „ausgelistet“. England ist derzeit bei einem kompletten „Blacklisting“, also einem Vorgang, der ein Ende jeglicher Registrierung für Homöopathika bei einer Arzneimittelbehörde bedeutet.

So weit zu gehen, tangiert das EU-Recht. Die EU-Arzneimittelrichtlinie regelt zwar nicht im Detail, wie genau die Mitgliedsstaaten mit der Homöopathie im Gesundheitswesen umgehen. Sie fixiert aber gleichwohl zwei Kernpunkte: Sie nimmt Homöopathika in ihren Arzneimittelbegriff auf und sie verpflichtet die Staaten, für Homöopathika ein vereinfachtes Registrierungsverfahren statt der üblichen Arzneimittelzulassung zu regeln. Das ist mit dem deutschen „Binnenkonsens“ sozusagen übererfüllt (er ist um etliches älter als die EU-Arzneimittelrichtlinie, die auf dem gleichen Lobbyeinfluss beruht), will man aber ernstlich den Homöopathika den Arzneimittelstatus bestreiten (und damit auch seine Privilegien), kommt man am EU-Recht nicht völlig vorbei.

Spanien weiß das. Auf verschiedenen Ebenen (auch auf der der Regierung) gibt es dort Bemühungen, bei der EU eine Revision der Arzneimittelrichtlinie in Sachen Homöopathie zu erreichen. Diese Bemühungen bedürfen der Unterstützung. Das INH hat deshalb an deutsche EU-Abgeordnete das nachstehende Schreiben gerichtet, das zunächst grundlegend über den Sachverhalt informieren und die Position Spaniens bei der zu erwartenden Diskussion unterstützen soll. Dies scheint umso notwendiger, als die europäischen  Homöopathiehersteller und -verbände seit langem direkt in Brüssel eine offenbar recht gut materiell und personell ausgestattete Lobbyorganisation unterhalten, deren Aufgabe die direkte Einflussnahme „vor Ort“ ist. Über solche Mittel verfügen wir zwar nicht – aber über die Fakten. Und wer weiß – vielleicht schließt sich die eine oder andere nationale Regierung ja sogar Spanien an und wird bei der EU aktiv?

______________

Herrn Frau …
MdEP

via E-Mail                                                                                                    7. August 2019

Homöopathie in der EU-Arzneimittelrichtlinie

Sehr geehrte/r … !

Die Europäische Arzneimittelrichtlinie (Richtlinie 2001/83/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 6. November 2001, Amtsblatt der Gemeinschaft L 311, 28. 11.2001) stuft Homöopathika als Arzneimittel ein und fordert von den nationalen Regierungen ein vereinfachtes Registrierungsverfahren außerhalb der ansonsten vorgeschriebenen Arzneimittelzulassung.

Der Konsens der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft stuft die Homöopathie jedoch längst als spezifisch wirkungslose Scheintherapie ein, deren Verbreitung und „Beliebtheit“ völlig andere Grundlagen haben als die einer medizinischen Relevanz (Evidenz). In vielen Staaten setzt sich diese Erkenntnis inzwischen durch. Konsequenzen daraus liegen im wohlverstandenen Interesse der Gesundheit der Bevölkerung, die nicht weiter im Irrtum darüber belassen werden sollte, die Homöopathie sei eine vom Gesetzgeber ausdrücklich anerkannte, mithin mit dem Kredit der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit ausgestattete Therapieform.

Das Königreich Spanien wirbt diesbezüglich bereits für eine Änderung des europäischen Arzneimittelrechts, das homöopathischen Präparaten nicht nur per Definition die Arzneimitteleigenschaft zubilligt, sondern ihr noch zusätzlich das Registrierungsprivileg zugesteht. (siehe auch unter http://www.europarl.europa.eu/doceo/document/E-8-2018-004948-ASW_EN.html). Dieser besondere Rechtsrahmen hat keine sachliche Rechtfertigung, wie auch der EASAC – als die EU-Organe beratende Institution – in seinem Statement vom 20.09.2017 (https://easac.eu/publications/details/homeopathic-products-and-practices/) eindeutig festgestellt hat.

Wir bitten Sie, auch im Namen des Deutschen Konsumentenbundes e.V sowie seiner Regionalverbände Nord und Süd, im Interesse einer wissenschaftsbasierten, ehrlichen und patientenorientierten Gesundheitspolitik um Ihre Unterstützung für eine Revision der Arzneimittelrichtlinie im beschriebenen Sinne, um damit gemeinschaftsrechtlich die Bahn für angemessene nationalstaatliche Regelungen freizumachen.
Über den wissenschaftlichen Stand zur Homöopathie können Sie sich u.a. auf der (mehrsprachigen) Webseite unserer Vereinigung informieren: www.netzwerk-homoeopathie.info .

Mit freundlichen Grüßen

Für das Informationsnetzwerk Homöopathie

Dr. Natalie Grams   –   Dr. Ing. Norbert Aust   –   Dr. Christian Lübbers


 

Offener Brief an Karin Maag MdB – Kassenerstattung von Homöopathie

Frau Karin Maag MdB, Mitglied des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, hat sich in jüngster Zeit verschiedentlich dagegen ausgesprochen, die Erstattungsfähigkeit von Homöopathie durch die gesetzlichen Krankenkassen anzutasten (u.a. hier).

Sie hat sich dabei einiger Argumentationen bedient, die nach Ansicht des INH einer Klarstellung bedürfen. Aus diesem Grund hat Frau Maag den nachstehenden Offenen Brief des Informationsnetzwerks Homöopathie erhalten:

______________

 

Frau
Karin Maag MdB
Platz der Republik 1
11011 Berlin

 

Mail an: karin.maag@bundestag.de                                                            29.07.2019
nachrichtlich an:
Herrn Bundesminister für Gesundheit
Jens Spahn

 

Homöopathie und gesetzliche Krankenversicherung

Sehr geehrte Frau Maag,

der Presseberichterstattung haben wir entnommen, dass Sie sich in der Diskussion um die Erstattung der Homöopathie im Rahmen der Satzungsleistungen gesetzlicher Krankenkassen deutlich gegen Pläne zu deren Abschaffung positioniert haben. Gleichzeitig entnehmen wir diesen Berichterstattungen aber auch, dass Sie offenbar über die Ziele und Argumente der wissenschaftlich begründeten Homöopathiekritik nicht hinreichend informiert sind und zudem teilweise außerhalb des Problemkontextes argumentieren.

Erlauben Sie uns daher hierzu einige Anmerkungen.

Wir, das Informationsnetzwerk Homöopathie, klären seit 2016 darüber auf, dass es sich bei der Homöopathie um eine Scheintherapie handelt, die weder jemals einen validen Wirkungsnachweis erbringen noch die Unvereinbarkeit ihrer Grundannahmen mit wissenschaftlich bestens belegten Grundlagen ausräumen konnte. Hierüber besteht ein umfassender Konsens in der wissenschaftlichen Welt. Wir verweisen exemplarisch auf das eindeutige Urteil des EASAC, des Beirats der Vereinigung der Europäischen Wissenschaftsakademien, das dieser 2017 veröffentlicht hat.

Vor diesem Hintergrund sehen wir auch die Diskussion zur Erstattungsfähigkeit der Homöopathie durch gesetzliche Krankenkassen. Und vor diesem Hintergrund widersprechen wir auch der These, dass es ein Nebeneinander von Homöopathie und Wissenschaft geben müsse. Entweder man erkennt die Relevanz der wissenschaftlichen Beurteilung der Homöopathie an – dann liegen die Konsequenzen auf der Hand. Oder man tut das nicht – dann redet man der Gleichsetzung von Fakten und Meinung das Wort.

Das Kernproblem liegt darin, dass die geltende Erstattungsfähigkeit die wissenschaftlich und unseres Erachtens auch gesundheitspolitisch unvertretbare öffentliche Reputation der Homöopathie stärkt. Sie verleiht der ohnehin schon in der Bevölkerung weit verbreiteten Fehlannahme zusätzliche Glaubwürdigkeit, bei der Homöopathie handele es sich um eine anerkannte Therapieform, die als der wissenschaftlichen Medizin jedenfalls gleichwertig anzusehen sei.

Teil dieser Fehlannahme ist, dass Homöopathie ganz oder in Teilen mit Naturheilkunde identisch sei. Nichts aber könnte falscher sein als eine Gleichsetzung von Homöopathie und Naturheilkunde. Nichts ist natürlich an der esoterisch fundierten Annahme, es gebe in der Natur ein auf menschliche Interessen bezogenes „Ähnlichkeitsprinzip“. Nichts ist natürlich an dem Postulat, durch Verdünnen und rituelles Schütteln werde eine „geistige Arzneikraft“, heute als „Schwingungen“ oder „Energie“ bezeichnet, in das Lösungsmittel nicht nur übergehen, sondern auch noch essenziell „stärker“ werden. Über all dies ist die Öffentlichkeit zweifellos bislang nicht ausreichend informiert.

Eine Solidargemeinschaft wie die gesetzliche Krankenversicherung braucht einen intersubjektiv definierten Rahmen, dessen Kriterium der allgemeine Nutzen ist. Dieser Rahmen wird gewährleistet durch die evidenzbasierte Medizin, die einen Wirkungsnachweis von Mitteln und Methoden auf der Grundlage anerkannter wissenschaftlicher Methodik verlangt. Dem kann die Homöopathie nicht genügen, sie firmiert als „Arzneimittel“ nur, weil das Arzneimittelgesetz sie von diesem Anspruch dispensiert.

Uns ist völlig bewusst, dass, wie Sie zitiert werden, es „vielen Menschen besser geht, die homöopathische Arzneimittel nehmen“. Die Erklärungen dafür sind lange bekannt, nur haben sie mit einer spezifischen medizinischen Wirksamkeit der Homöopathie nichts zu tun. Hier handelt es sich um Kontexteffekte verschiedener Art, die bei jeder Art von Behandlung, ja oft schon bei reiner Zuwendung auftreten.

Wir sehen hierin sogar eine der zentralen Gefahren der Anwendung der Homöopathie. Wer bei geringfügigen Gesundheits-, vielleicht auch nur bei Befindlichkeitsstörungen „gute Erfahrungen“ mit Homöopathie gemacht hat, läuft Gefahr, auch im Falle schwererer Erkrankungen auf sie zu vertrauen. Der Patient „konditioniert“ sich selbst auf die medizinisch unwirksame Homöopathie. Die damit verbundene potenzielle Gefährdung liegt auf der Hand; sie wird umso weniger wahrgenommen, je mehr die Homöopathie fälschlich als „sanfte und nebenwirkungsfreie“ Alternative zu normaler Medizin wahrgenommen wird.

Bei der Frage der Erstattungsfähigkeit im Solidarsystem GKV spielt, wenn überhaupt, der Kostengesichtspunkt eine völlig untergeordnete Rolle. Es geht nicht darum, ob die Aufwendungen für Homöopathie „Peanuts“ sind oder nicht, nicht darum, ob sich die GKV dies „leisten könne“. Es geht um klare Grenzziehung in der Sache.

Medizin ist das, was nachweislich über Kontexteffekte hinaus wirkt. Dies definiert die Grenze zwischen notwendiger, zweckmäßiger und wirtschaftlicher Versorgung – also dem Gegenstand der Krankenversicherung nach dem SGB V – und dem, was zum Bereich des subjektiven, persönlichen Sich-Wohlfühlens gehört. Was gern jeder für sich in eigener Verantwortung und auf eigene Kosten anwenden mag. Wir halten es daher auch für eine Verkehrung der Tatsachen, Versicherte, die Homöopathie zu Recht als medizinische Methode ablehnen, auf Krankenversicherungen zu verweisen, die deren Erstattung nicht anbieten.

Es ist also gleich mehrfach im Sinne der Solidargemeinschaft, wenn die Kassenerstattung, die einen medizinischen Stellenwert der Homöopathie vortäuscht, nicht weitergeführt wird. Noch wünschenswerter wäre es, wenn der Homöopathie im Arzneimittelrecht ihr Sonderstatus genommen würde, der sie vom wissenschaftlich fundierten Wirkungsnachweis befreit. Um ein Verbot der Homöopathika geht es dabei keinesfalls. Für jeden, der sie – informiert! – anwenden will, bleibt sie verfügbar.

Wir sind daher überzeugt davon, dass das wohlverstandene Patienteninteresse eine Korrektur der Entscheidung pro Kassenerstattung geradezu erfordert. Natürlich geht es auch hier ungeachtet klarer Faktenlage politisch um Abwägung von Rechten und Interessen. Wir hegen aber keinen Zweifel daran, dass die angeführten Argumente gegen eine Kassenerstattung der Homöopathie so durchgreifend und im Sinne des Allgemeinwohls sind, dass sie nicht durch anders gelagerte Partikularinteressen aufgewogen werden können.

Für Gespräche und weitere Informationen stehen wir Ihnen jederzeit in jeder Ihnen genehmen Form zur Verfügung

Mit freundlichen Grüßen

Für das Informationsnetzwerk Homöopathie

Dr. Natalie Grams
Dr. Ing. Norbert Aust
Dr. Christian Lübbers

 


Bildnachweis: Bild von Thomas Ulrich auf Pixabay

Guten Tag, wir sind vom INH und möchten mit Ihnen über Homöopathie reden!

Das Bild zeigt die Sprecher des INH. Von links Dr. Christian Lübbers, Dr. Natalie Grams, Dr. Norbert Aust.In einem Interview mit Pharma Relations hat Mathias Hevert, Geschäftsführer der Firma Hevert Arzneimittel, „den Skeptikern“ vorgehalten, sie würden eine „klar voreingenommene Haltung gegenüber der Homöopathie“ einnehmen, würden weder informieren wollen noch seien sie diskussionsbereit.

Wer „die Skeptiker“ hier sein sollen, wissen wir zwar nicht. Wir bedauern aber, dass Herr Hevert sich jedenfalls über die Ziele und Inhalte des INH – zum Beispiel auf dieser Seite – offensichtlich in keiner Weise informiert hat und statt dessen solche Äußerungen in den Raum stellt.

Herr Hevert hat mit Bezug auf diese Aussagen heute den nachstehend veröffentlichten Brief des INH erhalten:


 

Herrm
Mathias Hevert
Geschäftsführung Hevert Arzneimittel
per E-Mail info@hevert.de
2, Juli 2019

 

Ihr Interview auf Pharma-Relations

Sehr geehrter Herr Hevert,

mit diesem Schreiben beziehen wir uns auf Ihr Interview, das am 01.07.2019 auf Pharma-Relations (Link) erschienen ist. Wir möchten insbesondere darauf eingehen, dass Sie uns vorwerfen, wir würden eine „klar voreingenommene Haltung gegenüber der Homöopathie“ vertreten und behaupten, wir wollten nicht diskutieren. Sie selbst hingegen würden eine wissenschaftlich fundierte und faktenbasierte Diskussion zu jeder Zeit begrüßen.

Wir würden Sie gerne davon überzeugen, dass unsere Haltung nicht auf einer unreflektierten Voreingenommenheit beruht, sondern vielmehr das Ergebnis langer und intensiver Beschäftigung mit der Lehre der Homöopathie ist. Wir haben die Homöopathie aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und kommen auf verschiedenen Wegen zu immer dem gleichen Ergebnis: Aus unserer Sicht wirkt die Homöopathie nicht über Placebo hinaus. Homöopathische Präparate sind sowohl in hoher als auch in niederer Potenz ungeeignet, spezifische Wirkungen herbeizuführen, schon gar nicht diejenigen, die sie nach der homöopathischen Lehre entfalten sollen. Wissenschaftlich valide Nachweise für eine Wirkung über Placebo hinaus gibt es nicht.

Andererseits sind wir als Skeptiker natürlich offen für Ihre Argumente, warum unser Standpunkt falsch sein soll. Unsere bisherigen Angebote zu einer Diskussion mit Vertretern der Homöopathie sind mit Ausnahme von Prof. Frass, vormals Med-Uni Wien, bislang nicht aufgegriffen worden. Wir freuen uns daher darüber, dass Sie eine wissenschaftlich fundierte und faktenbasierte Diskussion zu jeder Zeit begrüßen, und würden gerne mit Ihnen in einen entsprechenden Dialog treten. Schließlich betrachten wir die gleiche Sachlage, kommen aber zu unterschiedlichen Ergebnissen dabei, was man zumindest prinzipiell in einer Diskussion ausräumen könnte.

Man könnte sich verschiedene Verfahren vorstellen, vom moderierten Gespräch im kleineren Kreis bis zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion. Vielleicht könnte man auch einen Moderator einer TV-Talkshow für diese Thematik begeistern. Wir gehen dabei selbstverständlich davon aus, dass Sie als Betriebswirt sich von Fachleuten von innerhalb oder außerhalb Ihres Unternehmens oder Ihres Verbandes unterstützen lassen werden.

Als Minimalergebnis könnte sich aus dieser Diskussion ergeben, dass Sie besser über die Motive und Argumente der Skeptiker, der GWUP und des INH Bescheid wüssten und nicht aus Unkenntnis weiterhin Falschaussagen zu dem genannten Personenkreis machen müssten.

Ihrer Antwort sehen wir mit Interesse entgegen.
Dr.-Ing. Norbert Aust – Dr. med. Christian Lübbers


Wir sind gespannt.

Offener Brief des INH an den Bundesminister für Gesundheit zum Binnenkonsens des AMG

Gestern, am 13.06.2019, hat Jan Böhmermann in  seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ die Homöopathie satirisch treffend analysiert und damit den unseres Erachtens längst weit verbreiteten Unmut über die Rolle der Scheinmethode Homöopathie im öffentlichen Gesundheitswesen auf seine Weise artikuliert.

Wir halten den Zeitpunkt für angemessen, uns nun mit unserem Kernanliegen an den Bundesminister für Gesundheit zu wenden. Er hat heute den nachfolgenden Offenen Brief seitens des INH erhalten:


 

Informationsnetzwerk Homöopathie
Wir klären auf – Sie haben dieWahl

 

14.06.2019

Herrn
Bundesminister für Gesundheit
Jens Spahn
via E-Mail

Sehr geehrter Herr Bundesminister Spahn,

als Informationsnetzwerk Homöopathie tragen wir seit 2016 zur Aufklärung der Öffentlichkeit über die Hintergründe der Homöopathie bei und haben dabei auch den sogenannten „Binnenkonsens“ des Arzneimittelgesetzes im Fokus.

Am gestrigen Abend durften wir im Deutschen Fernsehen erleben, wie die Homöopathie zum Gegenstand von prominenter Satire wurde. Mehr als 20 Minuten lang brannte Jan Böhmermann in seinem „Neo Magazin Royale“ ein Feuerwerk zum Thema ab, das – wie alle gute Satire – nichts anderes präsentierte als die Fakten. Wir werten dies als deutliches Zeichen dafür, dass die öffentliche Reputation der Homöopathie, nicht zuletzt jahrzehntelang durch den Binnenkonsens gestützt, massiv erodiert. Mehr und mehr Menschen sehen eine nicht nur medizinfachliche, sondern auch intellektuelle Zumutung darin, dass Homöopathie für eine wirksame medizinische Methode ausgegeben wird und empfinden dies als unhaltbaren Anachronismus.

Die Konstruktion des sogenannten Binnenkonsens im Paragrafen 38 des AMG stellt nichts weniger dar als die partielle Verkehrung des Sinns des AMG in sein völliges Gegenteil: Statt intersubjektive wissenschaftliche Maßstäbe an alles, was „Arzneimittel“ sein will anzulegen, schafft er unter ausdrücklichem Verzicht auf Wirkungsnachweise einen nicht nachvollziehbaren Schutzraum für Mittel „besonderer Therapierichtungen“ – ein „Schwarzes Loch“ im Arzneimittelrecht.

Die fehlende Intersubjektivität darin ist offensichtlich: Niemand kann nach objektiven Maßstäben die Heilsversprechen der Homöopathie (oder auch der Anthroposophie) nachvollziehen. Nach über 200 Jahren bleibt es bei Behauptungen, die niemals nach intersubjektiven Kriterien irgendwie verifiziert werden konnten. Dies ist der unbestreitbare Stand der Wissenschaft, dem die Gesetzeslage unsinnigerweise widerstreitet und die interessierten Kreisen als Scheinbegründung ihrer unhaltbaren Positionen dient.

Es ist an der Zeit, dass der Gesetzgeber dazu nicht länger eine scheinbare Legitimation liefert und den Binnenkonsens des AMG revidiert. Im richtigen Verständnis gibt es nur eine Medizin: Diejenige, die wirkt. Diejenige, die die Frage „Wo ist der Beweis?“ wissenschaftlich beantworten kann. Daneben braucht es weder Alternatives, noch Komplementäres, noch Integratives. Die Scheidegrenze zwischen Medizin und Nicht-Medizin ist die nach wissenschaftlichen Maßstäben nachgewiesene Wirksamkeit. Die Homöopathie bleibt seit über 200 Jahren jenseits dieser Scheidegrenze und kann sich auf nicht mehr berufen als auf eine gesetzliche Fiktion.

Wir hegen an Ihrer persönlichen Haltung zum Problem keinen Zweifel und sind angesichts der Tatkraft, die Sie bislang in Ihrem Amt bewiesen haben, überzeugt, dass unser Anliegen bei Ihnen in guten Händen ist. Geben Sie angesichts der geschilderten Umstände und der aktuellen Entwicklung die politische Zurückhaltung auf, die den Binnenkonsens bislang unangetastet gelassen hat! Werden Sie mit der Reputation und Autorität des unabhängigen Fachministers aktiv und ergreifen Sie die Initiative, dem unsäglichen Anachronismus des Binnenkonsens ein Ende zu machen und alle Mittel, die als Arzneimittel einen Marktzugang erlangen wollen, den gleichen Regeln zu unterwerfen. Eine sachlich unhaltbare gesetzliche Fiktion sollte nicht länger Basis von Irrtümern und Fehlinformationen über die Homöopathie sein und auch nicht mehr dazu dienen können, den Stand der Wissenschaft und diejenigen zu diskreditieren, die ihn öffentlich vertreten. In Gesetzesform gegossene Partikularinteressen sollten der Vergangenheit angehören, vor allem dann, wenn sie den Fakten widerstreiten.

Wir stehen Ihnen jederzeit mit unserer Expertise in jeder Ihnen genehmen Form zur Verfügung.

Hochachtungsvoll

Für das Informationsnetzwerk Homöopathie

Dr. med. Natalie Grams (Leiterin / Sprecherin)
Dr. med. Christian W. Lübbers (Sprecher)
Dr. Ing. Norbert Aust (Sprecher)


 

Offener Brief an die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern zu ihrer Schirmherrschaft für den Homöopathischen Ärztekongress 2019

Das Bild zeigt die Staatskanzlei in der Schlossstraße in Schwerin und im Hintergrund das Schweriner Schloss, den Sitz des Landtages.
Staatskanzlei und Schloss, Schwerin

In Stralsund findet vom 29. Mai bis zum 1. Juni 2019 der diesjährige Homöopathische Ärztekongress des Zentralvereins homöopathischer Ärzte statt. Wie bei solchen Veranstaltungen üblich, hat sich der DZVhÄ auch diesmal wieder des Rückhaltes in der Politik versichert, indem er der Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern die Schirmherrschaft über die Veranstaltung angetragen hat, womit selbstverständlich auch ein wohlmeinendes Grußwort verbunden ist.
In (schlechter) Tradition ist die Ministerpräsidentin diesem Wunsch gefolgt.

Das Grußwort wurde auf der Webseite des Ärztekongresses veröffentlicht.

Das INH sieht sich zu dem nachfolgenden Offenen Brief an Ministerpräsidentin Schwesig veranlasst:


An die

Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Frau Manuela Schwesig
– Staatskanzlei –
Schloßstr. 2-4
19053 Schwerin

E-Mail: Manuela.Schwesig@stk.mv-regierung.de

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin,

aus verschiedenen Quellen konnten wir entnehmen, dass Sie die Schirmherrschaft über den im Mai 2019 in Stralsund stattfindenden Homöopathischen Ärztekongress des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte übernommen haben. Auch das von Ihnen an den Kongress gerichtete Grußwort ist uns bekannt.

Sowohl der Übernahme der Schirmherrschaft als auch dem Grußwort an den Kongress stehen wir kritisch gegenüber. Erlauben Sie uns, die Gründe dafür nachstehend darzulegen. Wir halten es für bedeutsam, gerade Vertreter der Politik mit unserem Anliegen, einem aufgeklärten Umgang mit dem Thema Homöopathie, bekannt zu machen und unsere Beweggründe zu erläutern.

Wir, das Informationsnetzwerk Homöopathie, seine Mitglieder und Unterstützer, klären seit 2016 darüber auf, dass es sich bei der Homöopathie um eine Scheintherapie handelt, die weder jemals einen validen Wirkungsnachweis erbringen noch die Unvereinbarkeit ihrer Grundannahmen mit wissenschaftlich bestens belegten Grundlagen ausräumen konnte. Hierüber besteht ein Konsens nahezu der gesamten weltweiten Fachwissenschaft. Zur Verdeutlichung dessen verweisen wir als eine Stimme unter vielen auf das Urteil der EASAC, des Beirats der Vereinigung der Europäischen Wissenschaftsakademien, zur Homöopathie von 2017:

„(Wir schließen aus unseren Untersuchungen,) dass die Behauptungen zur Homöopathie unplausibel sind und im Widerspruch zu den etablierten wissenschaftlichen Grundlagen stehen.
Wir erkennen an, dass bei einzelnen Patienten ein Placebo-Effekt auftreten kann, aber wir stimmen früheren ausführlichen Untersuchungen zu und schließen daraus, dass keine Krankheiten bekannt sind, für die es robuste und replizierbare Nachweise gäbe, dass die Homöopathie über diesen Placebo-Effekt hinaus wirksam sei.“

Als Konsequenz hieraus findet die Homöopathie in immer mehr Ländern keinen Platz mehr innerhalb der wissenschaftlich fundierten Medizin und der öffentlichen Gesundheitssysteme. Dazu sei auf das Ende der Verordnungsfähigkeit von Homöopathika in England verwiesen, der jetzt auch noch die Aufnahme von Homöopathika in die Blacklist des britischen Gesundheitsministeriums folgt, so dass sie nicht mehr als Arzneimittel registriert werden können.

Insbesondere weisen wir auf die aktuellen Entwicklungen in Frankreich und Spanien hin. In beiden Ländern haben sich die Fachverbände bzw. die wissenschaftlichen Akademien sowohl der Medizin wie auch der Pharmazie klar von der Homöopathie distanziert und gefordert, ihr keinen Platz mehr im öffentlichen Gesundheitssystem einzuräumen. In Spanien hat die derzeitige Regierung bereits konkrete Maßnahmen getroffen, Homöopathie aus der therapeutischen Praxis zu entfernen. In Frankreich steht die politische Entscheidung hierüber derzeit an, die Empfehlungen der Kammern und der Akademien der Wissenschaft lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Homöopathie ist medizinisch wertlos bis risikobehaftet.

In den USA ist die Food and Drug Administration im Benehmen mit der Verbraucherschutzbehörde FTC dabei, einen immer strengeren Regulierungsrahmen für Homöopathika zu schaffen. Verbraucherschutzorganisationen klagen derzeit gegen Vertreiber von Homöopathika wegen Betruges. In Australien wurde 2017 sogar die Möglichkeit gesetzlich abgeschafft, Homöopathie über private Zusatzversicherungen abzudecken. In Österreich wurde vor kurzem das Wahlpflichtfach Homöopathie an der MedUni Wien ersatzlos gestrichen, die „Homöopathische Notfallambulanz“ geschlossen und die aufgelaufenen Forschungsarbeiten dieser Bereiche nach Prüfung vom Wissenschaftsrat der MedUni als „unwissenschaftlich“ verworfen.

Viele andere politische und wissenschaftliche Organisationen in weiteren Ländern haben sich ebenfalls gegen die Homöopathie als Teil von Medizin und Gesundheitswesen positioniert.

Der außerordentlich wirkmächtig aufgestellten Homöopathielobby gelingt es offenbar in Deutschland, derartige Entwicklungen noch hintan zu halten. Die Gefahr einer Isolation der deutschen Gesundheitspolitik im Kreis insbesondere der EU-Partnerländer ist hier längst nicht mehr von der Hand zu weisen.

Die Bemühungen der einschlägigen Lobby, die Homöopathie als eine bewährte, der wissenschaftlichen Medizin im Wesentlichen gleichwertige Therapieform darzustellen, sind vielfältig und umfangreich. Allein dies ändert nichts an den Tatsachen, dem breiten wissenschaftlichen Konsens, der die Homöopathie nur noch als medizinhistorisches Relikt und nicht als gerechtfertigten Teil eines modernen Gesundheitswesens ansieht.

Hier nun schließt sich der Kreis zum Anlass dieses Schreibens. Der Zentralverein homöopathischer Ärzte stellt eine der Säulen der homöopathischen Interessenvertretung in Deutschland dar. Ihm ist an öffentlicher Reputation sehr gelegen. Selbstverständlich ist es angesichts der massiv schwindenden Bedeutung der vorwissenschaftlichen homöopathischen Methode in Europa und weltweit von großer Bedeutung, beispielsweise für die homöopathischen Fachkongresse Schirmherrschaften hochrangiger politischer Vertreter zu erlangen.

Dies stärkt jedoch nur die wissenschaftlich und unserer Ansicht nach gesundheitspolitisch unvertretbare öffentliche Reputation der Homöopathie und führt zu einer Verfestigung der ohnehin schon allzu verbreiteten Annahme in der Bevölkerung, bei der Homöopathie handele es sich um eine anerkannte Therapieform, die als der wissenschaftlichen Medizin jedenfalls gleichwertig anzusehen sei.

Deshalb ist es das Kernanliegen des Informationsnetzwerks Homöopathie, dass der Homöopathie keine öffentliche Glaubwürdigkeit und auch kein Platz im öffentlichen Gesundheitswesen mehr eingeräumt wird – insbesondere auch bei der von Ihnen angesprochenen guten Behandlung von Kindern. Die derzeitige Situation sehen wir weder als wissenschaftlich noch als ethisch vertretbar an. Eine „Therapie“, die nicht mehr vorzuweisen hat als die Kontexteffekte (insbesondere Placebo), die bei jeder Art von – auch nichtmedizinischer – Zuwendung auftreten, kann nicht als medizinische Therapierichtung gerechtfertigt werden. Darüber darf auch nicht hinwegtäuschen, dass Homöopathie von ihren Vertretern unzutreffend als spezifisch wirksame Arzneimitteltherapie angeboten und beworben wird.

Medizin definiert sich heute als das, was über das „Grundrauschen“ des stets vorhandenen Placeboeffekts hinausgehende spezifische Effekte belastbar nachweisen kann. Entgegen den perpetuierten Behauptungen der homöopathischen Interessenvertretungen und ihrer Selbstbespiegelung in Veranstaltungen wie dem „Homöopathischen Ärztekongress“ kann die Homöopathie dies nicht – und ist deshalb auch kein Faktor für das Ziel eines insgesamt menschlicheren Umgangs mit Patienten in der Medizin, den wir für sehr erstrebenswert erachten.

Wir würden uns freuen, wenn wir Ihnen eine vielleicht bislang nicht so geläufige Sicht auf das Thema Homöopathie eröffnet hätten. Fakt ist, dass die allgemeine Wahrnehmung der Homöopathie derzeit von jahrzehntelang unwidersprochener Einflussnahme interessierter Kreise geprägt ist. Homöopathiekritik ist zwar so alt wie die Methode selbst. Erst mit dem Informationsnetzwerk Homöopathie gibt es aber seit 2016 einen unabhängigen Interessenverbund, dessen Mitglieder gemeinsam das Ziel verfolgen, Aufklärung zur Homöopathie allgemeinverständlich auf wissenschaftlicher Faktenbasis zu leisten.

Es ist uns klar, dass Sie als hohe staatliche Repräsentantin einem breiten pluralistischen Spektrum gesellschaftlicher Gruppen gerecht werden müssen. Wir, die Unterzeichner, möchten Sie jedoch bitten, künftig davon abzusehen, durch – zweifellos wohlmeinendes – Engagement dem falschen und unangemessenen öffentlichen Ansehen der Homöopathie noch zusätzlich Nahrung zu geben.

Wissenschaftlich fundierte wie auch allgemeinverständliche Informationsquellen zur Einordnung der Homöopathie als widerlegte Methode aus vorwissenschaftlicher Zeit stehen umfangreich zur Verfügung. Wir erlauben uns, hierzu auch auf das Informationsangebot der Webseite des Informationsnetzwerks Homöopathie hinzuweisen. Wenn Sie es wünschen, würden Ihnen Vertreter des Informationsnetzwerks auch gern zu einem persönlichen Gespräch zur Verfügung stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Für das Informationsnetzwerk Homöopathie

Dr. Natalie Grams
Dr. Norbert Aust
Dr. Christian W. Lübbers


Bildnachweis: Privat / eigenes Bild

Offener Brief von GWUP-Wissenschaftsrat und INH an Staatsministerin Huml, Freistaat Bayern

Die CSU-Fraktion im bayerischen Landtag veröffentlichte am 13.12.2018 eine Pressemitteilung unter dem Titel „Naturheilkunde soll an Bayerischen Universitäten stärker verankert werden“. Dies korrespondierte sowohl mit einem entsprechenden parlamentarischen Antrag von Mitte des Jahres als auch ohne Zweifel mit dem Beschluss der Landesregierung Baden-Württemberg zur Einrichtung eines Lehrstuhls für „Naturheilkunde und integrative Medizin“ in Tübingen.  

Die Pressemitteilung macht deutlich, dass es konkret weitaus eher um Homöopathie ging statt um Naturheilkunde – die bekanntermaßen völlig falsche Gleichsetzung beider Begriffe grundierte das ganze Treffen außerdem. Zwei Vertreterinnen der Homöopathie – die Vorsitzende der Hahnemann-Gesellschaft und eine von der Stiftung Natur und Medizin (früher Carstens-Stiftung) mitfinanzierte klinische Pratikerin aus einer Einrichtung der LMU München hatten bei der Fraktion vorgesprochen und fanden bei ihrem Lobbying pro Homöopathie („so beliebt bei den Menschen“) anscheinend ein offenes Ohr. Die bayerische Staatsministerin für den Gesundheitsbereich, Frau Melanie Huml, war ebenfalls anwesend.

Dieser Vorgang hat den Wissenschaftsrat der GWUP und das INH veranlasst, der Staatsministerin und den Fraktionen im bayerischen Landtag den nachfolgenden Offenen Brief zukommen zu  lassen:


Frau Staatsministerin
Melanie Huml
Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege
Haidenauplatz 1
81667 München

E-Mail: poststelle@stmgp.bayern.de

(Nachrichtlich an die gesundheitspolitischen Sprecher aller Fraktionen und als Offener Brief auf www.netzwerk-homoeopathie.eu)

Homöopathie in Gesundheitswesen und Hochschule – Pressemitteilung der CSU-Fraktion vom 13.12.2018

Sehr geehrte Frau Staatsministerin,

aus der oben bezeichneten Pressemitteilung der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag entnehmen wir, dass dort – in Ihrer Anwesenheit – Vertreterinnen der Pseudomethode „Homöopathie“ vorstellig geworden sind, um Repräsentanten der bayerischen Landespolitik für eine Förderung ihrer Methode mit dem Ziel einer stärkeren Verankerung in Gesundheits- und Hochschulpolitik einzunehmen.

Wir, der Wissenschaftsrat der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), halten die dort ins Auge gefasste Zielrichtung sowohl gesundheits- als auch hochschulpolitisch für verfehlt.

Die Homöopathie ist nach weltweitem wissenschaftlichem Konsens eine Scheintherapie, die weder jemals einen validen Wirkungsnachweis erbringen, noch die Unvereinbarkeit ihrer Grundannahmen mit wissenschaftlich bestens belegten Grundlagen ausräumen konnte. Deshalb ist es unser Anliegen, dass der Homöopathie keine öffentliche Glaubwürdigkeit und auch kein Platz im öffentlichen Gesundheitswesen mehr eingeräumt wird und ihr an den Hochschulen nur noch einen Platz im medizinhistorischen Teil der Curricula zukommt.

Eine „Therapie“, die nicht mehr vorzuweisen hat als die Kontexteffekte (insbesondere Placebo), die bei jeder Art von – auch nichtmedizinischer – Zuwendung auftreten, kann nicht als medizinische Therapierichtung gerechtfertigt werden. Darüber darf auch nicht hinwegtäuschen, dass Homöopathie von ihren Vertretern unzutreffend als spezifisch wirksame Arzneimitteltherapie angeboten und beworben wird.

Zur Verdeutlichung dieser international breit anerkannten Position verweisen wir beispielhaft auf das Urteil der EASAC, des Beirats der Vereinigung der Europäischen Wissenschaftsakademien, zur Homöopathie von 2017:

„(Wir schließen aus unseren Untersuchungen,) dass die Behauptungen zur Homöopathie unplausibel sind und im Widerspruch zu den etablierten wissenschaftlichen Grundlagen.
Wir erkennen an, dass bei einzelnen Patienten ein Placebo-Effekt auftreten kann, aber wir stimmen früheren ausführlichen Untersuchungen zu und schließen daraus, dass keine Krankheiten bekannt sind, für die es robuste und replizierbare Nachweise gäbe, dass die Homöopathie über diesen Placebo-Effekt hinaus wirksam sei.“

Die internationale Studienlage ist eindeutig. Inzwischen zehn systematische Reviews, darunter auch solche von Homöopathie-Vertretern, haben gezeigt, dass für keine einzige Indikation eine belegbare Evidenz pro Homöopathie existiert. Wie könnte es bei einer teilweise gegen naturgesetzliche Gegebenheiten verstoßenden Methode auch anders sein.

Daran können auch Scheinargumente nichts ändern, wie sie immer wieder zugunsten der Homöopathie vorgetragen werden. Weder ist eine „Beliebtheit“ der Homöopathie in der Bevölkerung eine Rechtfertigung für unwissenschaftliche und spezifisch unwirksame Methoden im Gesundheitswesen und in universitären Curricula, noch kann die Methode der Naturheilkunde zugerechnet werden. Letzteres ist eine regelrechte „urban legend“, die seit Jahrzehnten von interessierter Seite gezielt propagiert wird. Dies stellt wohl den am stärksten verankerten Irrtum über die Homöopathie in der Öffentlichkeit dar. Homöopathie ist ein denkbar „künstliches“ Gedankenkonstrukt, das u.a. auf den esoterischen Vorstellungen der Wirkung „geistiger Kräfte“ beruht. Sie widerspricht damit den Grundgedanken der Naturheilkunde, die von einer realen Einwirkung natürlicher Entitäten (Licht, Luft, Sonne, Kräuterextrakte…) ausgeht.

Wir sehen uns deshalb veranlasst, unsere Stimme gegen jede Einflussnahme zu erheben, die aufgrund derartiger Fehlinformationen den Stellenwert der Homöopathie in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung stärken könnte, wie es die Einrichtung eines Lehrstuhls ohne Zweifel wäre. Vielmehr sind wir der Ansicht, dass sowohl ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem als auch die künftige Hochschulausbildung von Medizinern darauf angewiesen sind, sich an den Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin zu orientieren und unwissenschaftliche Methoden nicht zu fördern. Alles andere wäre ein Rückschritt, zudem eine Ressourcenverschwendung und das Gegenteil einer sich als modern verstehenden Gesundheitspolitik.

Die Medizin ist pragmatisch und offen für neue Erkenntnisse, wie jede gute Wissenschaft. Dies führt dazu – und hat seit jeher dazu geführt -, dass Methoden, ungeachtet ihrer Herkunft oder ihres Alters, in den Kanon der Medizin aufgenommen werden, wenn sie eine spezifische Wirksamkeit nach wissenschaftlichen Kriterien nachweisen können. Können sie dies nicht, kommt ihnen auch mit den Attributen „alternativ“, „komplementär“ oder auch „integrativ“ das Prädikat „Medizin“ nicht zu. Außerdem ist davor zu warnen, „Naturheilkunde“ mit diesen Begrifflichkeiten gleichzusetzen.

Bedeutungsvoll erscheint uns in diesem Zusammenhang die Erfahrung an der medizinischen Universität Wien, die das Fach Homöopathie eingeführt hatte, um einen kritischen Umgang mit der Methode zu lehren. Dies hat sich nicht bewährt, ist vielmehr sogar ins Gegenteil umgeschlagen. Das Auftreten von Vertretern der Homöopathie als Vortragende (und vorgeblich „Sachkundige“) führte dazu, dass bei der Lehre die konkrete Anwendung der Methode statt der wissenschaftlich-kritische Blick in den Vordergrund geriet. Aus unserer Sicht wäre einer kritischen Auseinandersetzung mit den Lehren der „Alternativmedizin“ durchaus Genüge getan, wenn man in den Grundlagenfächern aufzeigt, wie sehr solche Heilslehren zu der dem Hochschulwesen immanenten kritisch-rationalen wissenschaftlichen Sicht im Widerspruch stehen.

Wir verweisen darauf, dass die MedUni Wien kürzlich die Konsequenzen hieraus gezogen und die Homöopathie-Vorlesungen gestrichen hat. Universitätsrektor Markus Meier distanzierte sich in diesem Zusammenhang von unwissenschaftlichen Verfahren und Scharlatanerie. Dies nur als Beispiel – einen zunehmend kritischen Umgang mit Homöopathie gibt es international auf breiter Front, auch und vor allem in EU-Partnerländern.

Unter diesem Blickwinkel ist unseres Erachtens auch die Vorstellung zu sehen, es bedürfe eines Lehrstuhles explizit für „integrative“ oder „komplementäre“ Medizin, wie dies im Beschlussantrag zum Bayerischen Landtag vom 10.07.2018 (Drucksache 17/23310) mit artikuliert wird.

Wir möchten Sie als gesundheitspolitisch verantwortliche Ministerin des Freistaates Bayern zu diesem Thema sensibilisieren. Die verstärkten – insbesondere politischen -Aktivitäten der Homöopathie-Lobby, die offenbar auf die zunehmende, berechtigte Kritik an der homöopathischen Methode zurückgehen, bereiten uns Sorge. Ein Festhalten, gar eine weitere Stärkung der Scheinmethode Homöopathie wäre nach unserer Ansicht fatal, sowohl im Hinblick auf eine gute allgemeine Gesundheitsversorgung als auch im Hinblick auf die Stärkung der Kompetenz der Bevölkerung in Gesundheitsfragen, derer es zweifellos in hohem Maße bedarf.

Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit.

Mit freundlichen Grüßen,
der Wissenschaftsrat der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften und das Informationsnetzwerk Homöopathie

Dr.-Ing. Norbert Aust
Prof. Dr. Michael Bach
Lydia Benecke
Prof. Dr. Dr. Ulrich Berger
Prof. Dr. Peter Brugger
Udo Endruscheit
Prof. Dr. Edzard Ernst
Thomas Fraps
Prof. Dr. Dittmar Graf
Dr. Natalie Grams
Prof. Dr. Wolfgang Hell
Prof. Dr. Dieter B. Herrmann
Prof. Dr. Johannes Köbberling
Prof. Dr. Martin Lambeck
Dr. Nikil Mukerji
Dr. Rainer Rosenzweig
Prof. Dr. Dr. Gerhard Vollmer
Prof. Dr. Barbro Walker
Dr. Christian Weymayr
Dr. habil. Rainer Wolf

Grußwort des Patientenbeauftragten an die Hahnemannia – weiterer offener Brief mit 52 namentlichen Unterzeichnern


per E-Mail: ralf.brauksiepe@bundestag.de

8. September 2018

 

Ihr Grußwort zum 150. Geburtstag der Hahnemannia

Sehr geehrter Herr Dr. Brauksiepe,

Sie haben vor kurzem an die Hahnemannia, den Dachverband der homöopathischen Vereine in Deutschland, zu deren 150. Jubiläum ein Grußwort gerichtet. Darin äußern Sie sich uneingeschränkt positiv zur Homöopathie und ihrer Rolle in der Patientenversorgung und im öffentlichen Gesundheitswesen. Ihr Einsatz für die Homöopathie widerspricht jedoch aus unserer Sicht Ihrem Auftrag, als Patientenbeauftragter der Bundesregierung im Rahmen Ihrer Kompetenzen für das Wohl der Patienten und Patientinnen zu sorgen.

Um dies zu verdeutlichen, möchten wir Sie zu einem Gedankenexperiment einladen: Welche Hürden müsste man überwinden, wenn man heute eine neue Therapie in unserem Gesundheitssystem etablieren wollte? Wie würden Sie – und andere Entscheidungsträger im Gesundheitswesen – reagieren, wenn wir mit folgender Bitte auf Sie zukämen? Erlauben Sie uns dieses kleine Gedankenspiel:

Wir möchten Sie bitten, uns bei der Neueinführung einer Therapie zu unterstützen. Da wir diese für den Patienten recht angenehm gestalten wollen, sie außerdem bei allen erdenklichen Krankheiten sanft und sicher wirksam sein soll, wird sie bei den Patienten sicher bald sehr beliebt sein.

Sie müssten uns allerdings helfen, ein paar kleine Hürden aus dem Weg zu räumen:

  • Sie müssten sich dafür einsetzen, dass unsere neue Therapie im Gegensatz zur evidenzbasierten Medizin von jedem Wirkungsnachweis befreit wird.
  • Selbstverständlich müssten die Mittel unserer Therapie trotzdem den gesetzlichen Status eines Arzneimittels erhalten, was u.a. garantieren würde, dass sie ausschließlich über Apotheken vertrieben werden. Welche Mittel im Einzelnen auf den Markt gelangen, darüber stimmen wir, die Experten für die Therapie, dann selbst per Mehrheitsbeschluss ab.
  • Wenn wir schon bei der Schaffung öffentlicher Glaubwürdigkeit sind: Es wäre nicht schlecht, wenn Sie bei den Kammern erreichen könnten, dass ein paar Ärzte sich in unserer Therapie ausbilden lassen und dies auf ihrem Praxisschild auch dokumentieren. Die Richtlinien für diese Weiterbildung würden wir den Kammern zu gegebener Zeit zukommen lassen.
  • Sie müssten dafür sorgen, dass das Gesundheitssystem der Bundesrepublik Deutschland eventuell entstehende internationale Stellungnahmen nicht zur Kenntnis nimmt, wonach die Wirksamkeit nicht über Placebo hinausgeht. Wir könnten Ihnen sicher ein paar Studien mit passenden Ergebnissen als Argumentationshilfe liefern. Sie sollten nur davon Abstand nehmen, diese Studien Fachleuten zur Prüfung vorzulegen.
  • Sie dürfen sich nicht daran stören, wenn es uns auch nach vielen Versuchen nicht gelingt, einen Nachweis dafür vorzulegen, dass unsere Therapie auch nur bei einem einzigen Krankheitsbild wirksamer wäre als ein Placebo.
  • Sie akzeptieren bitte auch, dass es für unsere neue Therapie überhaupt keine vernünftige Erklärung gibt, wie sie funktionieren könnte. Stattdessen sind Sie bitte zufrieden, wenn wir wortreich und phantasievoll von einer „Informationsmedizin“, „Reiztherapie“ oder „Regulationsmedizin“ sprechen.
  • Bei den Ärztekammern und den Krankenkassen müssten Sie dahingehend tätig werden, dass diese das Gebot, nur notwendige, zweckmäßige und wirtschaftliche Leistungen zu übernehmen, nicht so ernst nehmen.

Glauben Sie, Herr Dr. Brauksiepe, dass eine solche neue Therapie in unserem Gesundheitssystem gebraucht würde oder auch nur wünschenswert wäre? Würden Sie es als Patientenbeauftragter der Bundesregierung wirklich sinnvoll finden, eine solche Therapie in das Gesundheitswesen einzuführen?

Was wir oben beschrieben haben, sind aber genau die Charakteristika dessen, wie sich die Homöopathie heute darstellt. Eine Einschätzung, die weltweit von Wissenschaftlern, wissenschaftlichen Gremien und verantwortlichen staatlichen Stellen geteilt wird. Deshalb ist es auch mehr als nur eine Tendenz, dass zunehmend die Homöopathie aus öffentlichen Gesundheitssystemen entfernt wird.

Wir bitten Sie daher um Ihre Unterstützung dabei, zum Wohle der Patientinnen und Patienten die Homöopathie als das bekannt zu machen, was sie ist: Eine Scheintherapie aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert, an der die Entwicklung der Medizin und der Naturwissenschaften ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spurlos vorübergegangen ist und die heute nur noch einen medizinhistorischen Anachronismus darstellt.

Mit freundlichen Grüßen

Die Verfasser:

Dr.-Ing. Norbert Aust, INH, Schopfheim
Udo Endruscheit, INH, Essen

Unterzeichner (alphabetisch)

Prof. Dr. Manfred Anlauf, Bremerhaven Dr.-Ing. Dipl. Phys. Philippe Leick, Gerlingen
Susanne Aust, Schopfheim Dr. med. Christian W. Lübbers, Weilheim
Prof. Dr. Michael Bach, Freiburg Dr. Martin Mahner, Roßdorf
Lydia Benecke, Köln MUDr. Viliam Masaryk, Gera
Prof. Dr. Dr. Ulrich Berger, Wien, Österreich Dr. med. Benedikt Matenaer, Bocholt
Dr. med. dent Hans Werner Bertelsen, Bremen Dr. med. Theodor Much, Wien, Österreich
Prof. Dr. Christoph Bielitz, Leipzig Dr. phil. Nikil Mukerji, München
Prof. Dr. Peter Brugger, Zürich, Schweiz Dr. med. Dipl. Psych. Claudia Nowack, Münster
Prof. em. Edzard Ernst, Cambridge / UK Dipl. Phys. Ute Parsch, München
Prof. Dr. Dittmar Graf, Gießen Dr. Rainer Rosenzweig, Nürnberg
Dr. med. Natalie Grams, Heidelberg Holger v. Rybinski, München
Prof. Dr. med. Rudolf Happle, Freiburg Amardeo Sarma, Roßdorf
Chris Havel, Berlin Prof. Dr. Norbert Schmacke, Bremen
Enrico Helbig, Taunusstein Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert, Münster
Prof. Dr. Wolfgang Hell, Münster Michael Scholz, Wertheim
Elke Hergenröther, Hollfeld Dr. med. Tilman Schwilk, Schramberg
Prof. Dr. Dieter B. Herrmann, Berlin Prof. Dr. Beda Stadler, Zeneggen, Schweiz
Prof. Dr. Jutta Hübner, Jena Dipl. Pharm. Viola Stuppe, München
Udo Hilwerling, Paderborn Dipl. Biol. Ariane Ullrich, Zossen
Dr. med. Christian Keinki, Jena Dr. med. Wolfgang Vahle, Paderborn
Prof. Dr. Johannes Köbberling, Wuppertal Prof. Dr. Dr. Gerhard Vollmer, Neuburg
Dr. Susanne Kretschmann, Bretten Dr. med. vet. Rolf Wagels, Hannover
Prof. Dr. Martin Lambeck, Berlin Prof. Dr. Barbro Walker, Berlin
apl. Prof. Dr. Christoph Lang, Erlangen Dr. rer. nat. Christian Weymayr, Herne
Günter Lauinger, Ravensburg Dr. habil. Rainer Wolf, Würzburg

Offener Brief des INH an den Patientenbeauftragten des Bundes i.S. Grußwort zum 150. Geburtstag der Hahnemannia

Die „Hahnemannia“ ist der traditionelle Dachverband der homöopathischen Vereine in Deutschland. Vor kurzem beging sie das 150. Jubiläum ihres Bestehens. Bald darauf konnte man erfahren, dass die Hahnemannia sich eines offiziellen Grußwortes des Patientenbeauftragten der Bundesregierung erfreut und damit – allerdings verständlicherweise – auch nicht hinter dem Berg hält.

Die Stellungnahme des Patientenbeauftragten geht unseres Erachtens weit über die üblichen – von uns auch stets kritisierten – „Grußworte“ an homöopathische Vereinigungen hinaus. Es kann eigentlich nur als umfassendes Bekenntnis zur Homöopathie und als eine Art Versprechen angesehen werden, seitens des Patientenbeauftragten auf den Erhalt der Rolle der Homöopathie im Gesundheitswesen und ihrer Privilegien hinzuwirken. Dies bedurfte zweifellos einer deutlichen Stellungnahme, die Dr. Natalie Grams für das INH dem Patientenbeauftragten zugeleitet hat:


 

Sehr geehrter Herr Dr. Brauksiepe,

 

in Ihrem Grußwort an die Hahnemannia zu deren 150-jährigem Bestehen haben Sie sich als Patientenbeauftragter der Bundesregierung unmissverständlich und sehr umfassend für die Homöopathie, deren Rolle in der Patientenversorgung und deren privilegierten gesetzlichen Status ausgesprochen.

Wir, das Informationsnetzwerk Homöopathie, seine Mitglieder und Unterstützer, klären seit 2016 darüber auf, dass es sich bei der Homöopathie um eine Scheintherapie handelt, die weder jemals einen validen Wirkungsnachweis erbringen, noch die Unvereinbarkeit ihrer Grundannahmen mit wissenschaftlich bestens belegten Grundlagen ausräumen konnte. Deshalb ist es unser Anliegen, dass der Homöopathie keine öffentliche Glaubwürdigkeit und auch kein Platz im öffentlichen Gesundheitswesen mehr eingeräumt wird. Die derzeitige Situation sehen wir weder als wissenschaftlich, noch als wirtschaftlich und auch nicht als ethisch vertretbar an. Eine „Therapie“, die nicht mehr vorzuweisen hat als die Kontexteffekte (insbesondere Placebo), die bei jeder Art von – auch nichtmedizinischer – Zuwendung auftreten, kann nicht als medizinische Therapierichtung gerechtfertigt werden. Darüber darf auch nicht hinwegtäuschen, dass Homöopathie von ihren Vertretern unzutreffend als spezifisch wirksame Arzneimitteltherapie angeboten und beworben wird.

Zur Verdeutlichung unserer Position, die international längst anerkannt ist, und zur Einordnung der Homöopathie, verweisen wir auf das Urteil der EASAC, des Beirats der Vereinigung der Europäischen Wissenschaftsakademien, zur Homöopathie von 2017:

„(Wir schließen aus unseren Untersuchungen,) dass die Behauptungen zur Homöopathie unplausibel sind und im Widerspruch zu den etablierten wissenschaftlichen Grundlagen.
Wir erkennen an, dass bei einzelnen Patienten ein Placebo-Effekt auftreten kann, aber wir stimmen früheren ausführlichen Untersuchungen zu und schließen daraus, dass keine Krankheiten bekannt sind, für die es robuste und replizierbare Nachweise gäbe, dass die Homöopathie über diesen Placebo-Effekt hinaus wirksam sei.“

Diese Bewertung der Homöopathie wird von praktisch der gesamten weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft getragen und führt in immer mehr Ländern dazu, dass sie ihren Platz in öffentlichen Gesundheitssystemen verliert. England hat dies umgesetzt, Frankreich und Spanien sind auf dem Weg (um nur die nächstliegenden europäischen Partnerländer zu nennen).

Wir halten es daher für ein Gebot des aufrichtigen Patientenschutzes und der Befähigung der Bevölkerung zu einer eigenverantwortlichen Entscheidung in Gesundheitsfragen, an dieser Stelle ehrlich zu bleiben, statt die „soziale Akzeptanz“ der Scheinmethode Homöopathie durch öffentlich glaubwürdige Stellungnahmen noch zu befeuern. Wie nicht anders zu erwarten, nutzt die Hahnemannia Ihr Grußwort inzwischen als „Aushängeschild“ und zur Stützung ihrer „Marke“ Homöopathie.

Als Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten ist es Ihr Auftrag, im Rahmen Ihrer Kompetenzen für das Wohl der Patienten zu sorgen. Ihre Erklärung zum 150. Jubiläum der Hahnemannia entspricht dem unseres Erachtens nicht. Es ist uns klar, dass Sie als staatlicher Repräsentant die existierende Rechtslage, die arznei- und sozialversicherungsrechtlich die Homöopathie gegen jede objektive Erkenntnis privilegiert, nicht unbeachtet lassen können. Wir, die Unterzeichner, möchten Sie aber gleichwohl bitten, Ihre Haltung zu überdenken und künftig dem falschen und unangemessenen öffentlichen Ansehen der Homöopathie zumindest nicht noch zusätzlich Nahrung zu geben. Gerade bei Ihrem Amt als Patientenbeauftragter wäre das von zentraler Bedeutung.

Wissenschaftlich fundierte wie auch allgemeinverständliche Informationsquellen zur Einordnung der Homöopathie als widerlegte Methode aus vorwissenschaftlicher Zeit stehen umfangreich zur Verfügung. Wir erlauben uns, hierzu auch auf das Informationsangebot der Webseite des Informationsnetzwerks Homöopathie hinzuweisen. Wenn Sie es wünschen, würden Ihnen Vertreter des Informationsnetzwerks auch gern zu einem persönlichen Gespräch zur Verfügung stehen.

04. September 2018

Mit besten Grüßen im Namen des INH,
Dr. med. Natalie Grams

Offener Brief des INH an die Siemens BKK zu deren Veröffentlichung „Hintergrundinformation Homöopathie“

Im Rahmen der Diskussion zur Erstattung von Homöopathie durch gesetzliche Krankenkassen hat der Vorstandsvorsitzende der Siemens BKK (SBK) auf Twitter Aufmerksamkeit mit dem „Argument“ erregt, es komme „versicherungstechnisch“ auf den geringen Betrag, der für Homöopathie in seinem Hause aufgewendet werde, letztlich gar nicht an. Nachdem diese Position auf Twitter Widerspruch erfahren hatte, wurde seitens der SBK auf deren Webseite eine „Hintergrundinformation: Homöopathie bei der Siemens-Betriebskrankenkasse“ veröffentlicht und auf Twitter im Rahmen der Debatte ausdrücklich hierauf verwiesen.

Das Informationsnetzwerk Homöopathie sieht sich veranlasst, zu dieser Veröffentlichung mit einem offenen Brief an die Siemens BKK Stellung zu nehmen, der nachstehend wiedergegeben ist:

 

An die
Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK)

Per E-Mail (info@sbk.org)

09.01.2018

Offener Brief des Informationsnetzwerks Homöopathie zur Veröffentlichung der BKK Siemens „Hintergrundinformation: Homöopathie bei der Siemens-Betriebskrankenkasse“ (https://www.sbk.org/themen-standpunkte/hintergrundinformation-homoeopathie/)

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ihre Einrichtung gehört zu den zahlreichen Krankenkassen, die Kosten für homöopathische Behandlungen erstatten, was seit geraumer Zeit in der Diskussion steht. Auf Twitter hat Ihr Vorstandsvorsitzender zusätzliche Aufmerksamkeit erregt, indem er das „Peanuts“-Argument vorbrachte, also der Meinung war, die geringen Aufwendungen für die Homöopathie fielen im Rahmen der Gesamtausgaben doch eh nicht ins Gewicht. Dem wurde bereits auf Twitter insofern widersprochen, als dass dies nicht der einzige, ja nicht einmal ein vorrangiger Aspekt bei der Forderung sei, Homöopathie nicht mehr durch Krankenkassen zu erstatten.

Sie haben daraufhin ihren Standpunkt zur Homöopathie-Erstattung präzisiert (https://www.sbk.org/themen-standpunkte/hintergrundinformation-homoeopathie/ ), dafür erst einmal ein Dank, denn dies ermöglicht einen Diskurs. Nachstehend befassen wir uns deshalb mit dem, was Sie in ihrer Präzisierung vorbringen und orientieren uns dabei an den Überschriften der einzelnen Punkte, wie sie in Ihrer Veröffentlichung verwendet werden:

  1. In welchem Umfang übernimmt die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) eine Behandlung durch Homöopathen?

Sie informieren an dieser Stelle darüber, dass bei Ihnen ein gesonderter Wahltarif für homöopathische Leistungen angeboten werde („Arzneimitteltarif“), der sich versicherungsmathematisch auch selbst trage (also nicht der Bereich der Satzungsleistungen „für alle“ betroffen sei).

Diese Information ist allerdings unvollständig.

Nach den Informationen auf der SBK-Webseite gilt dies nur für den Arzneimittelanteil, also die Globuli; der ärztliche Behandlungsanteil zur Homöopathie ist genau wie bei anderen Kassen über einen Selektivvertrag mit der Managementgesellschaft des Zentralvereins homöopathischer Ärzte im Rahmen der Satzungsleistungen abgedeckt, trifft insofern auch alle Versicherten, die kein „Interesse“ an Homöopathie haben.

Selbst unterstellt, die Homöopathie sei wirklich komplett Teil eines Wahltarifangebotes: Die Krankenkassen, ganz besonders die gesetzlichen, sind wichtige Player im Gesundheitswesen. Wir sehen durchaus, dass der Gesetzgeber -anders als in den allermeisten Industriestaaten- die Ausrichtung des öffentlichen Gesundheitswesens auf evidenzbasierte Mittel und Methoden (noch) nicht konsequent durchgeführt hat. Leider. Es kann dann aber nicht Aufgabe der Krankenkassen sein, mit dem Angebot eines „Bauchladens“ an unwissenschaftlichen und unwirksamen Methoden, auch nicht im Rahmen eines „freiwilligen Tarifs“, das Vertrauen ihrer Versicherten auf vernünftige, rationale Medizin zu untergraben und dadurch nicht unwesentlich zur leider ohnehin grassierenden Irrationalität und Wissenschaftsfeindlichkeit beizutragen. Abgesehen davon, dass solche Angebote richtig verstanden eigentlich ein ethisches Problem für die Krankenkassen sein müssten.

Man sollte sich vergegenwärtigen, dass das Angebot unwissenschaftlicher Methoden mit der Autorität einer gesetzlichen Krankenkasse die notwendige Weiterentwicklung des Gesundheitssystems im Sinne von Leistungsfähigkeit, Effektivität und Nachhaltigkeit direkt bedroht. Homöopathie ist der „Einstieg“ für die Akzeptanz weiterer pseudomedizinischer Methoden und häufig mit Dingen wie Impf“skepsis“ korreliert (vielleicht weniger in der Ärzteschaft, aber grundsätzlich sehr wohl). Damit ist die Homöopathie die Scheidegrenze, jenseits derer die Gefahr einer weiteren Zuwendung der Patienten zu gefährlicheren pseudomedizinischen Methoden besteht. Die Verantwortung der gesetzlichen Krankenkassen hierbei ist erheblich. Von ihnen müsste eine deutliche Signalwirkung gegen solche Tendenzen ausgehen.

  1. Inwieweit konnte die Wirksamkeit von Homöopathie erwiesen werden und wie steht die SBK zu Studien, die eine homöopathische Behandlung als wirkungsfrei ansehen?

„Es ist richtig, dass es keine wissenschaftlichen Studien gibt, die die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel eindeutig belegen – was aber im Umkehrschluss nicht heißt, dass sie nicht wirksam sein könnten.“ Dieser Satz in Ihrer Stellungnahme öffnet jeglicher Beliebigkeit Tür und Tor und hat mit einem wissenschaftlich-rationalen Blick auf das Problem nichts zu tun. Wie das INH gerade erst in seinem Artikel „Wissenschaftler behaupten, Homöopathie sei unmöglich“  dargelegt hat, ist der von Ihnen zitierte „Umkehrschluss“ eine absolute Leeraussage – allein deshalb, weil die Nichtwirksamkeit (die Unmöglichkeit) von etwas prinzipiell nicht bewiesen werden kann. Die Homöopathie hat aber die wissenschaftlich denkbar höchste Unwahrscheinlichkeit gegen sich, dass ihr jemals ein Wirkungsnachweis, geschweige denn eine mit dem Stand wissenschaftlicher Erkenntnis vereinbare Erklärung eines Wirkmechanismus, gelingen könnte. Sie ist in höchstem Maße unplausibelwiderspricht alltäglichen Erfahrungen und ist auch mit Naturgesetzen nicht vereinbar. Jedes Erklärungsmodell der Homöopathie würde eine massive Revision des gültigen und bewährten wissenschaftlichen Weltbildes bedeuten. Man kann sich deshalb nicht -zumal nicht als Krankenkasse, die sich glaubwürdig und seriös gegenüber ihren Versicherten aufstellen sollte- auf das Hamlet-Argument des „Es gibt zwischen Himmel und Erde…“ zurückziehen.

Es sollte als Antwort genügen, ein weiteres Mal die Zusammenfassung der EASAC, des Beratungsgremiums der Europäischen Wissenschaftsakademien, zu zitieren:

  • [Wir schließen aus unseren Untersuchungen,] dass die Behauptungen zur Homöopathie unplausibel sind und im Widerspruch zu den etablierten wissenschaftlichen Grundlagen.
  • Wir erkennen an, dass bei einzelnen Patienten ein Placebo-Effekt auftreten kann, aber wir stimmen früheren ausführlichen Untersuchungen zu und schließen daraus, dass keine Krankheiten bekannt sind, für die es robuste und replizierbare Nachweise gäbe, dass die Homöopathie über diesen Placebo-Effekt hinaus wirksam sei.

Dies ist die gültige Aussage der wissenschaftlichen Welt zur Homöopathie. Die von Ihnen formulierte Position ist damit unter Anlegung allgemeingültiger rationaler Maßstäbe unhaltbar.

  1. Wieso ist es für die SBK kein Problem eine nicht beweisbare Behandlungsform (= Homöopathie) zu bezahlen, während dies bei beispielsweise Brillen nicht möglich ist?

In der Tat ist es den gesetzlichen Krankenkassen sozialversicherungsrechtlich verwehrt, an die Stelle von Homöopathie-Erstattungen Leistungen für Brillen und höhere Beteiligungen bei Zahnersatz zu setzen. Das ist dem Informationsnetzwerk Homöopathie durchaus bekannt und längst in einem Artikel auf seiner Webseite detailliert erklärt . Gleichwohl haben wir Verständnis dafür, dass dies häufig von Versicherten, die die Homöopathie ablehnen, als Wunsch genannt wird.

Auch hier begegnet uns in Ihrer Argumentation wieder ein grundlegendes Missverständnis, wenn Sie sich auf die vom Gesetzgeber eingeräumte Möglichkeit berufen, per Satzungsleistung Homöopathie in den Leistungskatalog aufzunehmen. Wie im eben zitierten Artikel von der INH-Webseite nämlich ebenfalls aufgeführt, ist keine Krankenkasse dazu gezwungen. Sie schreiben selbst, dass eine Erstattung der besonderen Therapierichtungen „nicht ausgeschlossen ist“ – beenden damit aber Ihre Betrachtung. Nur: Es ist einer gesetzlichen Kasse aber auch nicht völlig freigestellt, denn das Bundessozialgericht hat bereits mehrfach entschieden, dass an die Mittel der besonderen Therapierichtungen (Homöopathie, Anthroposophie, Phytotherapie) die gleichen Kriterien der „Notwendigkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit“ anzulegen sind wie an alle anderen Arzneimittel. Ein einschlägiger sozialrechtlicher Kommentar führt damit übereinstimmend aus: „Eine Begünstigung von Arzneimitteln der besonderen Therapierichtungen mit der Folge, dass Qualität und Wirksamkeit der Leistungen nicht dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse … entsprechen, widerspricht … den gesetzlichen Vorgaben.“

Bereits im Punkt 2. wurde dargelegt, dass die Homöopathie nach weltweitem wissenschaftlichem Urteil im Widerspruch zu etablierten wissenschaftlichen Grundlagen steht und es für keine Krankheit belastbare und reproduzierbare Nachweise einer spezifischen Wirksamkeit gibt. Eine solche Methode kann niemals die sozialversicherungsrechtlichen Erstattungsvoraussetzungen von „Notwendigkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit“ erfüllen – insofern bewegt sich nach unserer Einschätzung bereits unter der geltenden Rechtslage jede Krankenkasse, die über Satzungsleistungen Homöopathie erstattet, auf sehr dünnem Eis. Wir sehen in diesem Zusammenhang mit Interesse, dass Sie in Ihrer Stellungnahme selbst die Homöopathie als eine „nicht beweisbare Behandlungsform“ bezeichnen.

Noch ein Wort zu dem Einwand, man bezahle auch im Bereich der „normalen“ Medizin unwirksame Medikamente und Methoden: Auch das dürfte eine Kasse nicht tun. Allerdings ist die Rechtslage hier so, dass jede GKV-Kasse bei „normalen“ pharmazeutischen Arzneimitteln und therapeutischen Methoden an die Zulassungsentscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschuss für Arzneimittel gebunden ist: Was der G-BA in diesem Bereich zulässt, gehört kraft Gesetzes zu den Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Es ist nicht schlüssig und nicht redlich, diesen Sachverhalt gegen die Erstattung von Homöopathie auszuspielen, für oder gegen die sich jede Kasse selbst entscheiden kann.

  1. Wie hoch sind die jährlichen Kosten durch homöopathische Behandlungen für den Beitragszahler?

Hier sind wir beim Ausgangsargument, das bei Twitter zu Kritik an der diesbezüglichen Äußerung Ihres Vorstandsvorsitzenden geführt hat. Es sollte genügen, darauf zu verweisen, dass die Herausnahme der Homöopathie aus dem britischen öffentlichen Gesundheitssystem mit dem ausdrücklichen Statement des NHS (National Health Service) verbunden war, es gehe -nicht einmal nachrangig- um eine Kostenersparnis, sondern vielmehr um „fehlende klinische Wirksamkeit“ und die daraus folgende „geringe Kosteneffektivität“, also um das nicht vorhandene Aufwand-Nutzen-Verhältnis. Denn: Nichts ist immer zu teuer. Aus den Stellungnahmen der übrigen staatlichen Stellen, die im Jahre 2017 die Homöopathie aus ihren Gesundheitssystemen entfernt haben (Australien und Russland) ist uns auch nicht bekannt, dass die Kosten eine Rolle, geschweige denn eine entscheidende, gespielt haben, ebensowenig wie beim oben zitierten Statement des Wissenschaftlichen Beirats der Europäischen Wissenschaftsakademien (EASAC). Noch einmal: Es geht um Ehrlichkeit und Redlichkeit gegenüber den Patienten, um Glaubwürdigkeit und die bestmögliche Versorgung innerhalb des Gesundheitssystems. Dabei sollten die gesetzlichen Krankenkassen die Rolle eines Vorreiters spielen und nicht auf „Wünsche“ der Versicherten, sondern auf objektivierbare Standards abheben. Nihil nocere – vor allem nicht schaden, dieser alte hippokratische Grundsatz gilt auch hier. Und Schaden wird -wie dargelegt- auf vielfältige Weise erzeugt, wenn gesetzliche Krankenkassen mit ihrer Autorität Homöopathie handhaben wie eine nachgewiesen wirksame Methode.

  1. Warum senkt die SBK nicht lieber den Zusatzbeitrag als weiter für homöopathische Behandlungen aufzukommen? 

Eine Stellungnahme dazu erübrigt sich eigentlich durch die Ausführungen zu Punkt 4. Allerdings möchten wir uns nicht dem „Peanuts“-Argument anschließen, dass es ja auf 1,1 Mio Euro letztlich nicht ankäme. Jeder Euro an Beitragsgeldern verlangt unter dem Aspekt der Redlichkeit gegenüber den Mitgliedern Sorgfalt bei der Verwendung. Beispielsweise wäre das Geld sehr gut für freiwillige Therapien bei sehr seltenen Erkrankungen oder ähnlichen Fallkonstellationen aufgehoben. Aber dies betrifft nicht unser Kernanliegen.

Schlussbemerkung

Wir wehren uns grundsätzlich gegen eine Strategie von Krankenkassen, mit einem „Zauberladen“ voller Dinge, die zwar unwirksam und ineffektiv sind, aber von einer bestimmten Klientel „gewünscht“ werden, einen aus dem Ruder gelaufenen „Wettbewerb“ zu bestreiten. Der ursprüngliche Gedanke der Gesundheitspolitik, einen Leistungswettbewerb innerhalb der GKV über Rationalisierungseffekte und die Beitragshöhe zu initiieren, hat ja -wie die Fusion vieler Kassen verdeutlicht- seine Ergebnisse durchaus gehabt. Dies allerdings auf einen „Leistungswettbewerb“ als Mittel des „Kundenfangs“ auszuweiten, halten wir schon grundsätzlich für verfehlt. Dass unwirksame und potenziell gefährliche Methoden wie die Homöopathie dazu herhalten müssen, halten wir zudem für völlig indiskutabel.

Mit freundlichen Grüßen

Informationsnetzwerk Homöopathie

Dr. Natalie Grams
Dr. Norbert Aust
Dr. Christian Lübbers
Udo Endruscheit

Offener Brief des Informationsnetzwerks Homöopathie an die Techniker Krankenkasse

Eine sachliche Positionierung schien geboten, daher hat das Informationsnetzwerk Homöopathie folgenden Offenen Brief an die TK gerichtet:

An
Die Techniker
Techniker Krankenkasse
Bramfelder Straße 140
22305 Hamburg

Sehr geehrte Damen und Herren!

Die Techniker Krankenkasse (TK) erstattet im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung seit Jahren die Ausgaben für homöopathische Präparate. Unter gewissen Bedingungen ist es heute sogar möglich, praktisch die gesamten Kosten einer homöopathischen Therapie erstattet zu bekommen.

Man kann, wie es die TK offensichtlich geplant hatte, durch diese zusätzliche Leistung versuchen, das Abwandern besser Verdienender in private Krankenkassen zu verhindern. Darin könnte man ein zumindest auf den ersten Blick verständliches betriebswirtschaftliches Kalkül sehen. Die TK geht aber – wie viele andere Krankenkassen auch – den Weg, die Homöopathie noch zusätzlich als sinnvolles Therapiekonzept zu bewerben. Zahlreiche Studien belegten die Wirksamkeit von Verfahren der Alternativmedizin, ist zu lesen, die TK erstatte Kosten der Alternativmedizin und orientiere sich da an den harten wissenschaftlichen Fakten [1]. Die Homöopathie heile Erkrankungen ohne Nebenwirkungen, wobei die Heilungsmechanismen darauf beruhen sollen, dass die Selbstheilungskräfte des menschlichen Organismus aktiviert werden, heißt es in einem neu herausgegebenen Flyer zur homöopathischen Versorgung [2].

Man sollte annehmen, dass die TK also über harte Fakten verfügt, aus denen zu schließen ist, das Geld der Versicherten, das sie als Krankenkasse ja verwaltet, sei sinnvoller für Homöopathika auszugeben als beispielsweise für Brillen oder Zahnersatz, bei denen man bekanntlich kaum ohne eine beträchtliche eigene Zuzahlung zu befriedigenden Lösungen kommt.

Erstaunlich ist dann, dass die TK in Diskussionen im Internet nicht in der Lage zu sein scheint, eben diese Fakten überzeugend einem kritischen Publikum nahezubringen, sondern im Gegenteil nachgefragt wird, ob es denn Studien gäbe, die die Unwirksamkeit bewiesen. Dass die Nicht-Existenz von etwas nicht beweisbar ist, sei nur kurz an einem Beispiel illustriert: Ich kann behaupten, mein Name stünde in der Wikipedia. Wenn das stimmt, kann ich ohne Weiteres dafür einen Nachweis liefern, indem ich die Textstelle genau nenne. Können Sie ermessen, wie Sie vorgehen müssten, um mir das Gegenteil zu beweisen, dass mein Name nicht in der Wikipedia steht, wenn es wie im realen Leben keine Suchfunktion gäbe?

Dabei sollte Ihnen ein anderer Sachverhalt zu denken geben, nicht als ein „Beweis“ sondern als ein sehr starkes Indiz: Wenn die Homöopathie das potente Therapieverfahren wäre, für das ihre Unterstützer sie halten, dann müsste es ein Leichtes sein, dies auch in Studien mit signifikanten Ergebnissen und insbesondere mit therapeutisch relevanten Effektstärken vorzuführen. Man kann sicher davon ausgehen, dass die bisherigen Studien zum Nachweis einer Wirksamkeit seitens der Homöopathen an Krankheitsbildern durchgeführt wurden, von denen man annahm, dies sei dort am einfachsten zu erreichen. Dennoch ist die Evidenzlage bislang mehr als dürftig, wie alle systematischen Übersichtsarbeiten aufgezeigt haben. Zuletzt die umfangreichste Arbeit dieser Art, die 2014 von der australischen Gesundheitsbehörde vorgelegt wurde. In keiner der betrachteten insgesamt 58 verschiedenen Indikationen konnte eine therapeutische Wirksamkeit der Homöopathie überzeugend aufgezeigt werden [3].

Warum nimmt die TK diese Faktenlage nicht zur Kenntnis und zieht ihre Schlüsse daraus?

Warum werden die Patienten nicht eindeutig hierüber informiert?

Die TK schreibt auf ihren Seiten zwar durchaus richtig, dass der wissenschaftliche Nachweis fehle, stellt dem aber die nicht nachvollziehbaren Behauptungen der Homöopathen praktisch gleichwertig gegenüber. Warum beschreibt die TK das wissenschaftlich völlig unsinnige Konzept der Informationsübertragung auf Wasser, das in den fertigen Präparaten ohnehin nicht mehr vorhanden ist, in „Form einer Veränderung des Energiemusters“ [4]?

Sie verwenden unter anderem die Kassenbeiträge zahlreicher Mitglieder nicht dazu, Ihren Versicherten Brillen und Zahnersatz (Anm.: siehe jedoch hier) in vernünftigem Rahmen zu bezahlen, sondern suchen vielmehr, Ihre Ertragsposition durch das Einwerben „günstiger Risiken“ zu verbessern. Was sich, wenn man einer entsprechenden Untersuchung unter Ihren Mitgliedern glaubt, als Trugschluss erwiesen hat [5]. Wäre es da nicht an der Zeit, wieder umzusteuern? Die Nicht-Erstattung der Homöopathika und der homöopathischen Therapie als ein Alleinstellungsmerkmal herauszustellen und denjenigen eine Option zu bieten, die darauf Wert legen, dass ihre Beiträge nicht für Quacksalberei verwendet werden? Oder sollten Sie nicht zumindest, selbst wenn Sie die Homöopathie aus Aspekten des Marketings heraus in Ihrem Leistungskatalog führen wollen, Ihren Patienten klar aufzeigen, um was es sich dabei handelt?

Wäre vielleicht zunächst ein Pilotprojekt denkbar? Wir erhalten regelmäßig Anfragen von Leuten, die entsprechende Möglichkeiten suchen. Auch wenn die Gesetzeslage es zulässt, wirkungslose Homöopathika aus Mitteln der Beitragszahler zu erstatten, dann ist es immer noch eine Frage, ob der Beitragszahler selbst damit einverstanden ist. Vielleicht könnte die TK sich hier einen Markt bei rational denkenden Menschen erschließen, die nicht wollen, dass ihre Beiträge für Pseudomedizin „verschleudert“ werden.

Insgesamt sind wir – gerade nach der gestrigen Aktion – erfreut, dass die TK zumindest eine gewisse Selbstkritik erkennen ließ und wir setzen weiter darauf, dass Sie sich durch Wissenschaft und Fakten leiten lassen. Wir bieten uns dabei gerne erneut als Gesprächspartner an.

Mit freundlichen Grüßen

im Namen des Informationsnetzwerks Homöopathie und der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP),

Dr. Norbert Aust
Prof. em. Dr. Edzard Ernst
Dr. Natalie Grams
Dr. Christian Lübbers
Amardeo Sarma
Prof. Dr. Norbert Schmacke
Dr. Wolfgang Vahle

[1] https://www.tk.de/tk/medizin/alternativ-heilen/was-ist-alternativmedizin/917968

[2] https://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/808104/Datei/61924/308119.pdf

[3] http://consultations.nhmrc.gov.au/public_consultations/homeopathy_health

[4] https://www.tk.de/tk/alternative-therapien/therapien-a-z/homoeopathie/916362

[5] http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0134657


Bild: Twitter-Screenshot

Gröhe verteidigt den Schutzzaun für Homöopathie – das INH zur Antwort auf den Offenen Brief an das BMG (2016)

Neun Wochen benötigte der Bundesgesundheitsminister, um durch einen Referatsleiter einen Brief des Informationsnetzwerks Homöopathie (INH) beantworten zu lassen. Das INH hatte am 19. Juli 2016 den Minister aufgefordert, ein Gutachten zur Aussagekraft des Forschungsreaders der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) bei einem neutralen wissenschaftlichen Institut in Auftrag zu geben. Zu dieser Forderung nimmt Gröhe keine Stellung. Stattdessen werden drei Argumente ins Feld geführt:

  1. Homöopathie sei als besondere Therapierichtung im Sozialgesetzbuch ‚nicht ausgeschlossen‘.
    Das ist keine neue Information.
  2. Die Bewertung von Behandlungsmethoden ‚in einem durch Freiberuflichkeit, Selbstverwaltung und Pluralität geprägten Gesundheitswesen‘ liege nicht in der Zuständigkeit des Ministeriums, sondern bei den dieses Gesundheitswesen repräsentierenden Institutionen und Einrichtungen.
    Es mag ja sein, dass die Aufgabe selbst von einer der dem BMG nachgeordneten Behörden wahrgenommen wird, es darf aber bezweifelt werden, dass diese ohne Anstoß des Ministeriums von sich aus tätig werden. Im Falle der Homöopathie legt aber das Arzneimittelgesetz selbst die Grundlage für die derzeit geltende Situation, und Initiativen diesbezüglich fallen eindeutig in die Zuständigkeit des Fachministers.
  3. Behandlungsmethoden dürften ‚nicht zu einer Patientengefährdung führen‘ und soweit ‚Schutzlücken der Patientensicherheit‘ bestünden, werde das Ministerium die Ursachen analysieren und bestehende Schutzlücken beseitigen.
    Das hofft das INH doch sehr. Offenbar sieht Gröhe kein Risiko für die Gesundheit der Patienten darin, dass behauptet wird, unwirksame Methoden seien als wirksame Therapien wissenschaftlich belegt.

Diese Positionen haben im BMG jedenfalls nicht zu der Überlegung geführt, endlich alte Zöpfe abzuschneiden und die doppelte Buchführung in der Bewertung von Behandlungsmethoden abzuschaffen. Stattdessen wird der Schutzzaun um die besonderen Therapierichtungen unbeirrt verteidigt. Jedes neue Medikament muss heute bewiesen haben, dass es besser als Placebo oder der schon vorhandene Behandlungsstandard wirkt. Nur Homöopathika, in den meisten Fällen reine Zuckerpillen, müssen das nicht.

Es gehört zu den ureigensten Aufgaben des BMG, die Rahmenvorschriften für die klinische Prüfung und die Zulassung der Arzneimittel zu gestalten, in deren Rahmen sich die nachgeordneten Behörden bewegen müssen. Sollen wir darauf warten, dass sich z. B. das BfArM über das Arzneimittelgesetz hinwegsetzt?

Wir fordern das Ministerium auf, den gegenwärtigen Unsinn im Arzneimittelrecht zu beenden.

Die wissenschaftliche Überprüfung der Behauptungen von WissHom, einer reinen Lobbyinstitution der Homöopathen, hätte dem BMG die Chance geboten, den Anschluss an die Neuzeit zu gewinnen. Wir haben es ja auch geschafft, die Astrologie trotz ihrer großen Beliebtheit in der Bevölkerung dorthin zu verbannen, wohin sie gehört: in die Welt der Freizeitbeschäftigungen, die jedem Menschen in einer demokratischen Gesellschaft offen stehen. Kranken Menschen aber darf nicht mit behördlicher Genehmigung vorgegaukelt werden, Homöopathika seien ganz normale Medikamente.

„Mündige Versicherte und aufgeklärte Patienten gehören ebenso zu einem Gesundheitssystem wie Gesetze und Verordnungen.“ steht auf den Internetseiten des BMG zu lesen. Kann der Bundesgesundheitsminister da der gezielten Irreführung der Patienten durch eine Lobbyorganisation tatenlos zusehen?

Im Namen des INH:

Dr. Norbert Aust
Dr. Natalie Grams
Prof. Dr. Norbert Schmacke


Bild: Andreas Weimann