Offener Brief an Staatssekretär Tino Sorge, BMG, zur Evidenz im öffentlichen Gesundheitswesen

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Mit dem jüngsten GKV‑Finanzierungspapier hat die Bundesregierung erstmals deutlich gemacht, dass Evidenz ein verbindliches Kriterium für Finanzierung und Priorisierung im Gesundheitssystem werden soll – und Homöopathie sowie Anthroposophie ausdrücklich in diesem Zusammenhang genannt. Diese Markierung verschiebt die Diskussion: Weg von der Frage einzelner Leistungen, hin zur Frage der Systemkohärenz.

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Den Knoten lösen (Symbolbild) – Photo by MK Hafiz on Pexels.com

Für das Informationsnetzwerk Homöopathie ist das ein entscheidender Moment. Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass die Homöopathie‑Debatte ein zentraler Teil, aber auch ein Symptom eines größeren Problems ist: der Widerspruch zwischen einem evidenzorientierten Gesundheitssystem und arzneimittelrechtlichen Sonderwegen, die wissenschaftliche Standards aushebeln. Wenn Evidenz künftig Maßstab sein soll, dann reicht es nicht, allein den sozialrechtlichen Teil zu korrigieren. Die „besonderen Therapierichtungen“ bleiben sonst ein struktureller Anachronismus – und ein missverständliches Signal an Patientinnen und Patienten.

Unser Offener Brief an Staatssekretär Sorge nimmt diese neue Lage auf. Er erinnert daran, dass die normative Grundlage längst existiert: Leistungen der GKV müssen dem Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechen. Diese Leitlinie wurde nie aufgehoben – sie wurde nur selten politisch genutzt.

Wir veröffentlichen den Brief, weil jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, an dem diese Grundsatzfrage wieder gestellt werden kann und muss. Die Homöopathie ist dabei nicht das Zentrum, sondern ein Prüfstein für die Glaubwürdigkeit eines evidenzorientierten Gesundheitssystems.



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