FAQ 04 – Wie erklärt sich die „Wirkung“ von Homöopathie?

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Wir sagen nicht, dass Homöopathie gar keine Wirkung hat. Wir bestreiten aber, dass sie die spezifische arzneiliche Wirkung hat, die Homöopathen ihr zuschreiben. Ebenso können wir nicht anerkennen, dass Homöopathie „feinstofflich“ oder über  über „Energie“ und „Information“ wirken würde. Es gibt aber durchaus Effekte und Veränderungen, die unter einer homöopathischen Behandlung auftreten können (wahrscheinlich auftreten werden), aber nicht ursächlich der Homöopathie zuzuschreiben sind:

1. Placebo-Effekt

Der Placebo-Effekt hat nichts mit dem persönlichen „daran Glauben“ zu tun. Er kommt bei allen Menschen vor – auch bei Skeptikern. Auch bei Tieren und Neugeborenen ist der Placebo-Effekt (in der Form des sogenannten Placebo by proxy) gut nachweisbar. Der Placebo-Effekt ist nicht zu verhindern und nicht zu unterbieten!

2. Falsche Schlussfolgerungen

Im Laufe der Evolution haben Lebewesen einen Überlebensvorteil, wenn sie in der Lage sind, schnell Muster zu erkennen oder schnell Zusammenhänge herzustellen. Selbst wenn sich später herausstellen sollte, dass diese Muster nicht existieren oder die Zusammenhänge falsch sind, bleibt der Überlebensvorteil. Aus diesem Grunde vermuten wir auch heute noch sehr schnell Kausalzusammenhänge, wo tatsächlich keine vorliegen. Den „ersten Platz“ dabei nimmt sicher der Fehlschluss ein, dass ein zeitlicher Zusammenhang auch einen kausalen Zusammenhang begründet: der „Danach, aber nicht deswegen„-Fehlschluss. Die Homöopathie profitiert davon.

3. Selektive Wahrnehmung

Wir entwickeln eine Theorie und versuchen, diese Theorie zu überprüfen. Dabei fallen uns nur Fakten auf, die zur Theorie passen. Die Fakten, die nicht zur Theorie passen, ignorieren wir. Für die Homöopathie heißt das: Jede Besserung nach Homöopathie „beweist“ die Homöopathie. Jeder Fehlschlag nach Homöopathie wird vergessen – und so fügen sich diese selektiven Wahrnehmungen nach und nach zu einem verzerrten Bild zusammen, im Falle der Homöopathie mit der Folge einer gefestigten Erwartung einer „Wirksamkeit“ – die selbstverständlich der homöopathischen Behandlung zugeschrieben wird.

4. Wunschdenken

Das Wunschdenken spielt mit der selektiven Wahrnehmung zusammen. Wer möchte, dass die Homöopathie wirkt, erlebt höhere Erfolgsquoten als jemand, der innerlich kritisch-ablehnend ist oder den die Wirkung von Homöopathie nicht interessiert.

5. Spontanheilung

Viele Krankheiten heilen spontan aus. Gern wird behauptet „Wer heilt, hat recht“. Tatsächlich ist aber jemand, der bei einer Spontanheilung anwesend ist, kein Heiler. Nicht jeder, der eine Spontanheilung nicht verhindert, ist ein Heiler – er war einfach nur bei der Spontanheilung dabei. Ziemlich genaue Spontanremissionsraten sind für viele Krankheiten, auch schwere, gut bekannt in der Medizin. Das ist aber kein Anlass für irgendeinen Wunderglauben, sondern eröffnet der medizinischen Forschung neue Ansätze – selbstverständlich weiß die Medizin nicht alles, sondern lernt beständig dazu. Eine angebliche Wirksamkeit der Homöopathie in diese „Wissenslücke“ zu platzieren, entbehrt jeder Grundlage.

6. Regression zur Mitte

Vor allem chronische Krankheiten werden mal schlechter, mal besser (wie Aktienkurse). Medikamente nimmt man immer dann, wenn es einem schlechter geht. Dass nach der schlechten Phase wieder eine gute Phase kommt, muss gar nicht auf die Medikamente zurückzuführen sein: Es kann sich auch um den vollkommen natürlichen Spontanverlauf handeln.

7. Eigenartige (geniale ?) Definition von „Erfolg“

Homöopathen verbuchen einen Erfolg bei gebesserten Beschwerden, bei unveränderten Beschwerden („Nachhaltigkeit“) und bei verschlechterten Beschwerden („Erstverschlimmerung“, „noch nicht das richtige Mittel“). Unabhängig davon, was passiert: Es kann nur eine der drei Möglichkeiten eintreten – und damit immer ein Erfolg.

8. Immunisierung der Homöopathie gegen Misserfolg

Die Homöopathie stellt Regeln auf, deren Einhaltung fast unmöglich ist und die bei Nichteinhaltung einen Misserfolg verursachen können – aber nicht müssen. Misserfolge können auf Kaffeegenuss, auf minzhaltige Nahrungsmittel (oder Getränke, Zahnpasta) zurückgeführt werden. Erfolge schreibt sich die Homöopathie aber auch dann zu, wenn gegen die Regeln verstoßen wurde, selbst dann, wenn nach den Regeln der Homöopathie die Behandlung eigentlich gar nicht hätte wirken können. Die Uneinheitlichkeit des Gebäudes „Homöopathie“ tut das ihre – wird der Homöopath wegen ausbleibender Erfolge gewechselt, wird der nächste wahrscheinlich darauf hinweisen, dass der Vorgänger gar keine „richtige“ Homöopathie betrieben habe.

9. „Ganzheitlichkeit“ immunisiert ebenfalls gegen Misserfolg

Misserfolge lassen sich stets auch dem Patienten zuschreiben, der angeblich nicht alle Aspekte seiner Situation mitgeteilt hat und daher eine falsche homöopathische Anamnese erhoben wurde (wobei hier vom Patienten etwas Unmögliches verlangt und erwartet wird – wirklich alle Aspekte des körperlichen, seelischen und geistigen Daseins eines Menschen kann niemand erfassen, auch nicht er selbst).

10. „Zusammenarbeit“ mit der Medizin

Wenn homöopathisch behandelte Patienten gezwungen wären, bis zum Schluss bei der Homöopathie zu bleiben, würde sich schnell herausstellen, wie wenig wirksam die Homöopathie ist. Vermutlich gäbe es die Homöopathie dann gar nicht mehr.
Nun ist die Vorgehensweise der „guten“ Homöopathen aber so, dass sie Patienten zur Medizin rücküberweisen, wenn sie merken, dass die Homöopathie erfolglos bleibt. Natürlich ist das „gut“ für die Patienten. Es ist aber auch gut für die Homöopathie, denn wenn auch die Medizin keine Möglichkeiten mehr hat (und das ist leider so: es gibt immer noch unheilbare Krankheiten), dann wird die letztendliche Erfolglosigkeit dem letzten Behandler – also der Medizin – in die Schuhe geschoben und erscheint in deren Statistik. Kein Wort davon, dass eine früher einsetzende, korrekte medizinische Therapie wahrscheinlich erfolgreich gewesen wäre und der Misserfolg von der Homöopathie zu verantworten ist. Man ist eben erfolgreicher, wenn man für Misserfolge die Verantwortung ablehnt – auch, wenn das ungerechtfertigt ist. Es merkt ja keiner … und niemand zählt die gescheiterten Fälle.

11. Unterschied zwischen „Homöopathika“ und „Homöopathie“

Die Globuli bzw. die Tropfen wirken nicht, da sie keine – relevanten – Wirkstoffe enthalten. Homöopathie ist aber mehr als nur die Gabe von Globuli oder Tröpfchen. Der Homöopath nimmt sich viel Zeit für seine Patienten. Er hört gut zu. Homöopathen zeigen Empathie. Die „Droge Arzt“ trägt zum Erfolg der Homöopathie wesentlich bei. Die Erfolge dessen, was man „Heilkunst“ nennen mag, werden auch von der Medizin anerkannt. Auch Ärzte wünschen sich mehr Zeit für ihre Patienten. Allerdings ist das im „normalen Medizinbetrieb“ (viele Patienten, wenig Ärzte, begrenzte Zeit) häufig nicht möglich. Hier der Homöopathie, einer medizinischen unwirksamen Methode, einen exklusiven Status zu verschaffen, ist der falsche Weg. Der richtige Weg kann nur sein, dem wissenschaftsbasiert arbeitenden Arzt entsprechende Freiräume zu verschaffen, damit sich fundierte Medizin mit ärztlicher Zuwendung verbinden kann.


 

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