FAQ 17 – Aber die Medizin macht doch auch Fehler!

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Fehler der Medizin machen die Homöopathie nicht automatisch zu einem wirksamen Verfahren

Dass Fehler und Missstände in der Medizin mehr Schaden verursachen, als es gemeldete Fehler in der Pseudomedizin gibt, ist unstrittig und wird von uns an keiner Stelle bezweifelt.

Dennoch muss man feststellen:

  • Die Fehler der Medizin sind durchaus nicht so zahlreich, wie häufig – gerade auch von pseudomedizinischer Seite – behauptet wird. Im Vergleich zu der enormen Vielzahl der jährlichen Arzt-Patienten-Kontakte und Behandlungen weltweit ist die Fehlerquote außergewöhnlich klein (Keine Frage: Jeder Fehler ist einer zu viel und zu bedauern!).
  • Die Bundesärztekammer schreibt zur Arbeit der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern:
    Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Sie als Patient durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering. So kommt es allein in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung jährlich zu mehr als einer Milliarde Arzt-Patienten-Kontakten. In den Krankenhäusern erhöhte sich die Zahl der Behandlungsfälle in den letzten zehn Jahren um mehr als 2,5 Millionen auf fast 19,8 Millionen pro Jahr. Gemessen an dieser Gesamtzahl der Behandlungsfälle liegt die Zahl der durch die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen aber auch durch andere Stellen festgestellten Fehler im Promillebereich.“Die jährlichen Behandlungsfehler-Statistiken sind einsehbar, für 2018 z.B. hier.
  • Die Fehler der Medizin sind Zufallsfehler: Menschliches Versagen, technisches Versagen, Verkettung unglücklicher Umstände, Schicksal (Schicksal ist natürlich kein „Fehler“). Menschliches Versagen ist dem Arzt anzulasten, aber nicht „der Medizin“. Unsere Medizin ist es jedoch wiederum, die einen Fehler als Fehler erkennt und sie ist die einzige Institution, die einen Fehler als Fehler überhaupt erkennen kann. Auf jeden Arzt, von dem ein Fehler bekannt wird, kommt ein medizinischer Gutachter, der diesen Fehler benennt!
  • Die Fehler der Pseudomedizin – unser Thema ist hier zwar nur die Homöopathie, aber die Aussage gilt für alle pseudomedizinischen Verfahren – sind hingegen „Systemfehler“.
  • Fehler in der Medizin sollten zu Verbesserungen in der Medizin führen und nicht zum Einsatz von Pseudomedizin. Auch, wenn die Medizin keinen 100%igen Erfolg liefert (wo in aller Welt gäbe es so etwas?), sind doch ihre Erfolgsquoten die höchsten, die wir Menschen derzeit bekommen können. Sämtliche Erfolgsquoten sämtlicher pseudomedizinischer Verfahren sind deutlich geringer als die der wissenschaftlichen Medizin.

Innerhalb der Medizin besteht ein großes Problembewusstsein. Dies mag nicht bei jedem einzelnen Arzt so sein, aber das ganze Großprojekt der EbM (Evidenzbasierte Medizin), die Errichtung des IQWIG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen), die gesetzliche Bindung der Leistungen der Krankenkassen an den „Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse“ (ausgenommen die „besonderen Therapierichtungen“ wie die Homöopathie) oder Initiativen wie MEZIS oder Choosing Wisely sind Ausdruck des Bewusstseins von diesen Missständen in der normalen Medizin. Unser Gesundheitswesen verfügt über viele Institutionen und Instrumente, um solchen Fehlern auf die Spur zu kommen oder sie besser gar nicht erst entstehen zu lassen:

  • Es gibt eine Approbationsordnung für die Zulassung zur Ausübung des Arztberufs in Form einer Rechtsverordnung, die laufend auf ihre Eignung hin überprüft bzw. angepasst wird, wenn sich eine Regelung nicht bewährt.
  • Es gibt die Ärztekammern, die einem ungeeigneten Arzt die Approbation entziehen können.
  • Es gibt Gutachter- und Schiedsstellen, an die man sich wenden kann, wenn etwas schiefgegangen ist (siehe oben).
  • Es gibt ein recht umfassendes Berichtswesen über Problemfälle, auch die Medien erfüllen dabei ihre Funktion.
  • Es gibt Leitlinien für bestmögliche Behandlungsempfehlungen unter Einbeziehung des jeweils aktuellsten Wissens in der Medizin. Und es gibt Kommissionen, die sie erstellen und jeweils auf aktuellem Stand halten, sprich: aktiv aus Fehlern lernen.
  • Pharmazeutika und auch Medizinprodukte durchlaufen nicht nur einen Zulassungsprozess, sondern müssen im Markt auf Problemfälle und Auffälligkeiten hin beobachtet werden. Zulassungen für Medikamente können bei Häufung von Schadensmeldungen entzogen werden – und dies geschieht auch.
  • Geeignete Korrektur- und Abhilfemaßnahmen müssen im Fall eines Problems dokumentiert eingeführt und deren Wirksamkeit überprüft werden.
  • Ob die letzten beiden Punkte in der Praxis auch gewährleistet sind, wird in jährlichen Audits von staatlich akkreditierten Agenturen überprüft. Wenn da etwas nicht stimmt, steht die Produktion und der Vertrieb, Produkte werden vom Markt zurückgezogen, Warnmeldungen gehen an Kunden. Es liegt damit im höchsten Eigeninteresse der pharmazeutischen und medizintechnischen Hersteller, sich an die Vorgaben zu halten.

Eine systematische Aufarbeitung aller (!) auftretenden Probleme besonders in der Therapie gibt es nicht – hier ist aufgrund der individuellen Therapiegeschehnisse sicherlich nie 100% Fehlerfreiheit zu erzielen. Und auf jeden Fall gibt es erheblich mehr Kontrollinstanzen, als es sie in der Homöopathie, insbesondere in der Ausprägung beim Heilpraktiker (dem nichtärztlichen Therapeuten), gibt. Die Kritik der Homöopathie-Anhänger an der Medizin fällt letztlich auf sie selbst zurück – zeigt sie doch, dass es die Homöopathie seit 200 Jahren nicht geschafft hat, Kontrollinstanzen einzusetzen. Haben Sie je davon gehört, dass nach einer Arzneimittelprüfung Arzneien zurückgerufen wurden? Je von einem Homöopathikum, das nicht mehr verwendet werden darf? Je von einem Homöopathen, der die Homöopathie in Frage stellt? Je von einheitlichen Behandlungs- oder Diagnosekriterien? Je von Qualitätssicherung oder Beschwerdestellen, falls man sich als Homöopathie-Patient falsch behandelt fühlt oder gar Schaden durch eine homöopathische Behandlung erlitten hat? Wir nicht.